Ausstellungseröffnung "Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn"
Fotoausstellung vom 6. Juni - 13. September in der Martin-Luther-Kirche
„Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“
Der Vers stammt aus dem Alten Testament, wo Jakobs Ringen mit einem Engel beschrieben wird. Für Edith Tar wurde die biblische Szene ein Initial für ihre künstlerische Arbeit. Nach Phasen großformatiger Inszenierungen kehrte sie 2017 zum Augenblick zurück, Fotografie gewann für sie als Medium zwischen Flüchtigkeit und Dauer neue Bedeutung. Es war das letzte Projekt, das sie vor ihrem Tod 2021 noch selbst kuratiert hat. Radjo Monk schrieb 2020 dazu: „Jede Begegnung zwischen zwei Menschen steht unter einem Stern, dient einer Absicht oder hat ein Motiv. Stern, Absicht und Motiv können nach verschiedenen Kriterien gegliedert und thematisiert werden. Wird die Annahme zugrunde gelegt, dass dieses Projekt weder religiös noch historisch angelegt ist,
sondern in die Gegenwart zielt, dann erscheint die Gegenwart mit dem fotografischen Augenblick verbunden.
Damit kommt Edith Tar zurück zu einer Wurzel der Fotografie, nämlich der street art. Heutzutage kann das Ablichten von Passanten eine Strafanzeige nach sich ziehen. In Zeiten digitaler Fotografie, die längst kein Ablichten mehr ist, erscheint die Tradition der „street art“ obsolet, Beliebigkeit vernebelt die Objektivität“. Für Edith Tar war der Fotoapparat nicht nur ein Instrument der Bildbewahrung, sondern immer auch ein Schlüssel zur Begegnung mit Menschen. Bevor sie auf den Auslöser drückte, hatte sie Augenkontakt mit ihrem Gegenüber, das war der für sie vielleicht wichtigste Moment. Ihr war klar, dass jeder Begegnung ein Potential der Verwandlung innewohnt.
Radjo Monk
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