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Predigt zur Christnacht
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Predigt zur Christnacht

Predigt vom 24.12.17 (Pfarrer Dr. Arndt Haubold) Ort: Martin-Luther-Kirche

Liebe Gemeinde!

diese heilige Nacht gehört den Engeln! Heute haben sie ihren Hauptauftritt im Kirchenjahr. Über dem Hirtenfeld von Bethlehem haben sie die Weihnachtsbotschaft gesungen: „Fürchtet euch nicht, denn euch ist heute der Heiland geboren!“, und dann die Worte, die bis heute Sonntag für Sonntag in jedem Gottesdienst weltweit in Erinnerung gerufen werden: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens!“

Aber es muss uns doch einiges daran wundern. Die Engel haben in dieser Nacht eine neue Gestalt erhalten! Bis dahin waren Engel erwachsene Gestalten, Männer – auch wenn ihr Geschlecht von alters her nicht festgelegt ist. Denken wir an die Türhüter an der Pforte des Paradieses mit den flammenden Schwertern. Denken wir an den Engel, der mit Jakob einen Ringkampf ausführt und ihm die Hüfte dabei ausrenkt. Denken wir an die Gottesboten, die zu Abraham kamen und ihm Nachwuchs auf wunderbare Weise verkündigten – wie später wieder der Erzengel Gabriel, der als Himmelsbote zu Maria kam. Engel waren keine niedlichen, sondern mächtige Wesen. Gesandte Gottes. Und noch der erste Engel in der Heiligen Nacht, der namenlose Verkündigungsengel, ist eine solche Gestalt. Dann aber tritt neben ihm die Menge der himmlischen Heerscharen auf. Das klingt zunächst nach einer Armee – aber in unserer Vorstellung werden diese Engel der Weihnacht bald zu niedlichen Kinderengeln, wie sie heute viele Weihnachtsbilder verzieren und auch unseren Altar schmücken.

Die Verwandlung der Engel in der Heiligen Nacht entspricht der großen Verwandlung Gottes. Auch Gott war bis dahin eine Machtgestalt – und in der Geburt Jesu verkörpert sich Gott in einem Kind und nimmt kindliche Gestalt an. Eine ganz neue Wesensart Gottes tritt hier zutage: das Zärtliche, Zerbrechliche, Kindliche, Reine, so dass wir ein verändertes Gottesbild erhalten, dem auch eine neue Art zu glauben entspricht. Gott ist kein Herrscher mehr, sondern ein liebender Vater. Diese große Verwandlung Gottes ist das Wunder der Weihnacht, und in der Verwandlung der Engel findet es seinen Ausdruck.

Wir dürfen das nicht missverstehen, als würde Gott seine Macht und Kraft verlieren, und als wäre der christliche Glaube ein Glaube für Kinder und Weichlinge  vielleicht sogar im Gegensatz zu den harten und gewalttätigen Religionen. Nein, es ist gerade die Größe und Allmacht Gottes, die sich in dieser Wandlung vollendet. Das Weiche besiegt das Harte, die Liebe siegt über die Gewalt. Ein guter Engel geht mit uns, nicht ein himmlischer waffenstarrender Ritter.

Die Kernbotschaft des Engels ist „Fürchtet euch nicht!“ Das klingt seitdem durch die Welt als die Offenbarung Gottes. Wir brauchen uns nicht zu fürchten vor der Zukunft, vor dem neuen Jahr, vor dem Krankenhaus, vor dem Ruhestand, vor dem Altwerden. Der Heiland ist uns geboren!

Und das gilt für alles Volk! Nicht nur für die Juden, die Deutschen, die Christen – nein für alle Welt, für alles Volk. Keinem von uns ist Gott fern. Der Schöpfergott, der einst alles Leben schuf, erinnert sich aller seiner Kinder, nicht nur seiner Lieblingskinder.

„Ehre sei Gott in der Höhe!“ – das ist nicht nur ein Stück sonntäglicher Liturgie, auch wenn diese schön ist und eine Fülle der herrlichsten Kirchenmusik hervorgebracht hat, sondern eine Lebenshaltung der Ehrfurcht vor dem Größeren als uns selbst.

„Und Friede auf Erden“. Es ist der uralte Traum vom ewigen Frieden, vom wiederhergestellten Paradies. Dieser Friede Gottes ist nicht nur ein diplomatischer Waffenstillstand wie zwischen der EU und der Türkei, sondern urmenschliche Sehnsucht nach einem rundum heilen Leben – Frieden mit der Natur, Frieden zwischen den Geschlechtern und Generationen, Frieden zwischen Gott und Menschheit.

„Bei den Menschen seines Wohlgefallens“ – eine dunkle Stelle und ein Brocken für die Übersetzer. Luther übersetzte: „und den Menschen ein Wohlgefallen“ – so auch im Weihnachtsoratorium. Wer sind die Menschen, die Gott wohlgefallen? Sind es nur die guten? Das widerspräche „allem Volk“. Sind wir alle Gott wohlgefällig? Wir sind doch aber auch alle Sünder, und manche von uns sind auch schlimme Verbrecher, da gibt es nichts zu beschönigen. Gott hat an uns Menschen Wohlgefallen, weil er uns als Krone der Schöpfung nach seinem Ebenbild erschaffen hat, und weil wir allein ihm Dank und Ehre erweisen. Das schließt nicht aus, dass einzelne Menschen Gottes Ebenbild verzerren und wir alle nicht Gott gleich werden. Dennoch verzweifelt Gott nicht an uns, sondern setzt auf unsere Umkehr seine Hoffnung, solange wir sind. 

 

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Pfarrer Dr. Arndt Haubold
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