Evangelisch Lutherische Kirchgemeinde Martin-Luther-Kirchgemeinde Markkleeberg-Westzur Evangelisch Lutherische Kirchgemeinde Martin-Luther-Kirchgemeinde Markkleeberg-West
Predigt zum Erntedankfest, 6.10.2013, Mt. 6,19-21
Evangelisch Lutherische Großstädteln-Großdeubenzur Evangelisch Lutherische Großstädteln-Großdeuben

Predigt zum Erntedankfest, 6.10.2013, Mt. 6,19-21

Predigt vom 06.10.13 (Pfarrer Dr. Arndt Haubold ) Ort: Martin-Luther-Kirche

Mein Jesus, zu Weihnachten liebe ich dich und auch zu Ostern – aber ehrlich, es macht keinen Spaß, mit Dir Erntedank zu feiern! Du vermasselst einem die ganze Stimmung! Da sitze ich gemütlich auf meiner Gartenbank und betrachte dankbar meine Plantage: reicher Pflaumensegen in diesem Jahr, ansehnliche Kürbisse - ansonsten sieht es eher gemischt bis schwächlich aus – die Kartoffeln sind mager ausgefallen, kleine Kriebel nur, die Tomatenernte war bescheiden, die Kirschen waren alle madig. Richtiges Brotgetreide baut ja unsereins längst nicht mehr an. Aber die Bauern erzählen, dass wegen des langen Winters und des nassen Frühjahrs und des Hochwassers die Ernte ziemlich schlecht ausgefallen sei. Die Brotpreise würden infolgedessen steigen. Die steigen allerdings jedes Jahr, der Bäcker findet dafür immer eine Erklärung. Aber ich bin froh und dankbar, dass wir, Ernte gut oder Ernte schlecht, nicht hungern werden und zu essen und zu trinken in gewohnter Fülle haben werden. Dafür kann ich von ganzem Herzen dankbar sein, und ich würde mich freuen, mein Jesus, wenn du dich zu mir auf die Bank setzen würdest und auch einfach ein bisschen dankbar wärest für alles, was gewachsen ist. Nicht nur für alles, was gewachsen ist, sondern auch für die tolle weltweite Vorratswirtschaft, dank derer es uns so gut geht. Die Regale im Supermarkt bieten eine Fülle von Früchten, die entweder in Dosen oder in der Tiefkühltruhe haltbar gemacht sind oder die aus Neuseeland oder Costarica importiert worden sind – es ist phantastisch! Und selbst wenn hier bei uns die ganze Ernte verhagelt wäre, würden wir das Getreide aus Kanada oder Argentinien bekommen. Unsere Lagerhäuser sind so voll, dass uns keine Hungersnot in absehbarer Zeit treffen kann. Sind wir nicht wie einst der biblische Josef in Ägypten tolle Organisatoren, die in fetten Jahren für die mageren Jahre Vorsorge treffen? Ist es nicht gerade diese moderne Art zu wirtschaften, die uns vor Not bewahrt?
 Du sagst dazu gar nichts, Jesus. Mir scheint, Du hast dafür gar keinen Sinn. Ich verstehe ja, dass Du vielleicht keinen Garten in Nazareth hattest und deinem Vater Josef nicht beim Pflaumenpflücken oder beim Kartoffellesen helfen musstest. Na, ich weiß, du hast deinen Rücken auf andere Weise krumm gemacht, es ist ja kein Vorwurf. Aber die Menschen haben von alters her immer gern Erntedank gefeiert haben, auch dein jüdisches Volk. Sie haben Gott gedankt für die Gerstenernte und dann noch einmal für die Weizenernte und schließlich für die Weinlese. Auch heute in der modernen Zeit ist das Erntedankfest noch beliebt, obwohl die wenigsten Menschen selber richtig ernten. Aber man freut sich mit, man ist vor allem stolz auf seine Arbeit und auf die moderne Technik – von Gott ist gar nicht unbedingt die Rede dabei – fast wie im Sozialismus.
Doch du, Jesus, schweigst zum Thema Ernte. Bist du etwa undankbar? Du gibst dazu nur so kritische Kommentare wie: „Sammelt euch lieber Schätze im Himmel statt Vorräten auf Erden, die Schimmel und Fäulnis, der Rost und die Motten und die Diebe fressen!“ Oder du erzählst das Beispiel von dem reichen Kornbauern, der seine Scheunen gut mit Vorräten gefüllt hat und sich dann fröhlich ausruht und sich sagt: Habe nun Ruhe, liebe Seele – und über Nacht holt ihn der Tod, und alle seine Vorräte haben ihm nichts genützt. Oder du predigst, dass wir uns die Lilien auf dem Feld anschauen sollen und die Vögel unter dem Himmel, sie säen nicht und ernten nicht, und doch tragen sie schöne Kleider und haben ihr tägliches Brot. Oder erinnerst uns an die schöne Geschichte, wo du mit fünf Broten fünftausend Menschen sattgemacht hast ohne vorherige logistische Kirchentagsorganisation. Warum zerstörst du mit solchen kritischen Untertönen unsere Dankbarkeit und Festfreude? Ist es nicht gut, dass wir unsere Lagerhallen gefüllt haben, auch im Blick auf magere Jahre? Ist das nicht einzig verantwortungsvoll und schützt die Menschheit vor Hungerkatastrophen? Willst du, dass wir sorglos um das tägliche Brot in den Tag hineinleben und dann am Ende bei der EU jammern: Unterstützt uns bitte!? Oder in die Kirche rennen und dich bitten: Gib uns Brot!? Ich verstehe dich nicht, Jesus!
Jesus: Mein lieber Arndt Haubold, Pfarrer zu Markkleeberg, ich schätze deine Ehrlichkeit, dass du vor mir kein Blatt vor den Mund nimmst. Ich will auch keine falsche Lobhudelei. Aber ich will dir die Augen öffnen, wie ich es wirklich meine. Ich und mein Vater im Himmel sind eins, aber wir haben uns die Aufgaben geteilt. Mein Vater im Himmel ist für das Schöpfungsgeschäft zuständig, man könnte auch sagen, für das himmlische Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Und ihm sollst du, sollt ihr alle heute von ganzem Herzen danken. Dass es euch so gut geht, ist nicht nur die Frucht eurer Arbeit und eures Erfindungsgeistes. Dahinter steckt so viel an verborgenen Zusammenhängen – Wetter und Klima, Entwicklung und Forschung, aber auch ein Rest an Unerklärbarem - dass man das ganze als Segen Gottes betrachten muss – ein geheimnisvolles Zusammenspiel von Wirkungen von oben und von allen Seiten. Doch wie gesagt, das ist meines Vaters Bereich. Und ich habe euch doch auch gelehrt zu beten: „Unser tägliches Brot gib uns heute!“ Ich achte es nicht gering, dass ihr heute Grund habt, meinem Vater im Himmel zu danken! Aber mir hat er eine andere Aufgabe in der Welt übertragen: Ich bin für eure Erlösung zuständig, für die Vergebung der Sünden und das Heil eurer Seelen. Das ist heute nicht das Thema, deshalb halte ich mich heute an diesem Fest zurück.
Und was meine kritischen Beiträge betrifft: Du hast schon recht, sie gießen Wasser ins Öl. Das muss aber auch sein. Denn es geht ganz schnell, dass ihr Menschen eitel werdet, wenn es euch gut geht, und selbstzufrieden – und da wird auch beim Erntedank schnell der Schöpfer vergessen, und ihr wiegt euch in falscher Sicherheit. Ihr überseht auch schnell, dass eure Fülle mit dem Mangel der anderen Hälfte der Menschheit einhergeht, und dass die Überfülle an Brot und Früchten ihren Preis einer Landwirtschaft mit der chemischen Keule und dem Aussterben vieler Arten hat. Es läuft bei euch nicht alles schöpfungsgemäß, auch wenn ihr reichlich habt. Schlemmen und Zechen sind auch nicht alles im Leben und nicht das Höchste, auch wenn es gerade in eurer Zeit wegen der Fülle der Möglichkeiten sehr beliebt ist. Nein, wahres Leben ist mehr als Speis und Trank. Deshalb ist die Ernte des Feldes, für die ihr heute dankbar seid, nur die eine Seite der Wirklichkeit. Wahres Leben kommt nicht nur vom Sättigen des Leibes, sondern von der Sättigung der Seele. Und für dieses wahre Leben gelten ganz andere Kriterien, die mit Vorratswirtschaft nichts zu tun haben. So, wie ihr wunderbar für die Bedürfnisse eures Leibes sorgt, sollt ihr auch für die Bedürfnisse eurer Seele sorgen. Deshalb sage ich euch: Sammelt euch nicht nur Schätze auf Erden, wo sie Rost und Motten und Diebe fressen und stehlen, sondern sammelt euch einen unverzehrbaren Vorrat im Himmel, einen Schatz des Glaubens, der euch bei geistlichem Hunger und Durst stärkt. Dazu lade ich euch an meinen Tisch ein, an dem es unter Brot und Wein eine geistliche Speise gibt. Verstehst du jetzt, mein lieber Arndt Haubold, was mein Anliegen ist, und bist nicht mehr so enttäuscht von mir?

» Predigt drucken

« zurück

Pfarrer Dr. Arndt Haubold
Pfarrer Dr. Arndt Haubold
AnregungAnregung

Uns interessiert Ihre Meinung - 
senden Sie uns Ihre Anregung!