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Predigt zum Abschluss der Visitation, 2. Advent, 8.12. 2013, Offenbarung 3,7-11
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Predigt zum Abschluss der Visitation, 2. Advent, 8.12. 2013, Offenbarung 3,7-11

Predigt vom 08.12.13 (Superintendent Dr. Martin Henker ) Ort: Martin-Luther-Kirche

Liebe Gemeinde,
ein besonderer Reiz der Adventszeit liegt darin, dass uns durch diese Jahreszeit Rituale begleiten, wie sonst im ganzen Jahr nicht. Da hat jede Familie ihre eigenen Traditionen und Formen, die uns den Weg hin zum Weihnachtsfest gestalten. Viele von uns werden heute Morgen am Adventskranz die zweite Kerze angezündet haben. Am Adventskalender haben wir heute die Tür mit der Acht geöffnet. Und wie wird das am Heiligen Abend sein? So wie früher, als wir noch Kinder waren? Müssen so heu-te unsere Kinder oder Enkel warten, bis sich die Tür zum Weihnachtszimmer öffnet?
Im Predigttext für den 2. Advent wird das Bild einer geöffneten Tür aufgenommen. Einer Tür, durch die Licht und Glanz in unsere Welt strahlt. Ich lese aus dem 3. Kapitel der Offenbarung des Johannes:
„Und dem Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids, der auftut und niemand schließt zu, der zuschließt und niemand tut auf. Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan und niemand kann sie zuschließen; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleug-net. Siehe, ich werde schicken einige aus der Synagoge des Satans, die sagen, sie seinen Juden und sind´s nicht, sondern lügen; siehe, ich will sie dazu bringen, dass sie kommen sollen und zu deinen Füßen niederfallen und erkennen, dass ich dich geliebt habe. Weil du mein Wort von der Geduld bewahrt hast, will ich auch dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis zu versuchen, die auf Erden wohnen. Siehe, ich komme bald; halte, was du hast, damit niemand deine Krone nehme.“
Mit sieben solcher Schreiben an christliche Gemeinden in den Städten Kleinasiens beginnt das große Trostbuch am Ende der Bibel. Sie sind alle nach dem gleichen Muster verfasst:
Es ist der auferstandene Christus, der Johannes, den Verfasser der Offenbarung anspricht und beauf-tragt zu schreiben. Hier stellt sich Christus als der vor, der die Schlüsselgewalt über alle Menschen und alle Welt inne hat. Er entscheidet souverän, wo Türen aufgeschlossen werden oder verschlossen bleiben.
Danach folgt eine Einschätzung der Situation der Gemeinde, an die das Schreiben gerichtet ist. Von Philadelphia wird gesagt, dass die Gemeinde zwar eine kleine Kraft habe, aber dennoch das Wort Christi bewahrt und den Namen des Herrn nicht verleugnet habe. Dahinter steht die harte und ernste Probe für die ersten Christen: Beteiligen sie sich am Kaiseropfer oder nicht. An dieser Frage konnte sich Leben oder Sterben entscheiden. Heimat behalten oder Flüchtling werden. Anfangs, als die neu-en christlichen Gemeinden in den Augen der römischen Staatsmacht noch als eine Gruppe im Juden-tum galten, konnten sie noch am Privileg des Judentums, nämlich davon befreit zu sein, dem Kaiser als Herrn und Gott zu opfern, partizipieren. An einigen Orten des römischen Reichs haben die Mit-glieder der jüdischen Gemeinden die Staatsmacht später darauf aufmerksam gemacht, dass die Christen etwas anderes sind und für sie nicht die gleiche Ausnahmeregelung gelten könne wie für sie.
Die Erwähnung der „Synagoge des Satans“ in dem Schreiben an die Gemeinde in Philadelphia legt den Gedanken nahe, dass es solche Abläufe auch in dieser Stadt gegeben hat.
Und im Zusammenhang mit der Einschätzung der Situation wird dann an den Gemeinden, an die ein solches Schreiben gerichtet ist, entweder Kritik geübt oder, wie im Fall von Philadelphia, eine Zusage der Treue und Fürsorge, der Bewahrung und des Schutzes weitergegeben. Hier heißt es:
„Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan und niemand kann sie zuschließen.“
Diese Tür ist nicht irgendeine Haustür. Es ist die Tür, durch die der Glanz und die Pracht des neuen Jerusalems aufstrahlen. Es ist die Tür, durch die das Licht aus Gottes Welt in unsere Welt hinein-leuchtet, wodurch wir Weg und Orientierung finden, was uns Richtung und Ziel für alle unsere Schrit-te gibt.
Nun hören wir heute die Worte an die Gemeinde mit der kleinen Kraft und von der für sie geöffneten Tür. Was können sie für uns bedeuten?
Zunächst sollten wir dankbar festhalten, ja uns daran festhalten: Die Tür zu Gottes Reich ist geöffnet. In Jesus hat Gott sein Licht in unserer Welt aufleuchten lassen. Uns ist Orientierung möglich. Wir brauchen nicht umherzutappen im Flackern und Blenden der Lichtlein und Sternchen. Wir brauchen nicht mühsam zu suchen und zu probieren in der Masse der unübersehbaren Optionen.
Wir leben auf das Weihnachtsfest zu und wir wollen wieder feiern: Gott wird Mensch. Gott gibt ein Beispiel für Menschsein. Die Tür zu ihm und seiner Welt ist geöffnet, wir sind eingeladen in sein Licht zu treten, in seinem Licht zu leben.
Das gilt für jede und jeden von uns. Das gilt für uns als Kirche. Das gilt für Sie als Martin-Luther-Kirchgemeinde und Kirchgemeinde in Großstädteln-Großdeuben.
Für uns entscheidet sich in diesen Tage viel im Blick auf das bevorstehende Weihnachtsfest. Werden es Tage der Erschöpfung oder Tage der Freude? Ich will nicht in die Schelte der Kommerzialisierung von Weihnachten einstimmen. Ich will nicht das unwirkliche Lob der Besinnung und Stille verbreiten. Wenn wir ein Fest feiern wollen, unsere Verwandten, Kinder und Enkel treffen wollen, uns gegensei-tig überraschen wollen, dann geht das nicht ohne ein gewisses Maß an Vorbereitung und Anspan-nung und Aufregung. Und dennoch bleiben wir diejenigen, die Entscheidungen treffen. Beispielswei-se die, ob ein Gang über den Weihnachtsmarkt darin seine Qualität findet, an jedem Glühweinstand zu probieren, wie ich das vorgestern als Wegbeschreibung hörte. Oder ob es darum geht, etwas zu finden, mit dem ich jemanden zeigen kann: Ich hab dich gern, du bist mir wichtig. Das, liebe Gemein-de, können wir sehr wohl entscheiden.
Für uns als Kirche, denke ich, hängt viel davon ab, dass wir darauf vertrauen, daran glauben können: Gott hat die Tür zu seinem Reich geöffnet. Sie steht bereits offen. Nicht wir sind diejenigen, die es zu Wege bringen müssen oder können, dass das Licht Gottes in unserer Welt aufscheint. Das bewirkt und dafür sorgt Gott. Wir sind als Kirche eher so was wie die Kerzenhalter an den Säulen oder wie die Gläser über den Kerzen hier in der Martin-Luther-Kirche. Wir sind dazu da, das Leuchten des Lichtes der Welt ein wenig zu ermöglichen, weil Gott in der Regel nicht anders als durch Menschen in unsere Welt kommt. Das Licht selbst aber kommt von Gott. Ich denke, es würde uns einigermaßen entlasten, uns wie ein Kerzenständer zu verstehen. So würde es auch ganz normal werden, dass unsere ge-
wohnten Abläufe ab und zu außer Kraft gesetzt werden müssen, beispielsweise wenn das Licht der Liebe und Wärme zu Flüchtlingen getragen werden muss.
Die geöffnete Tür und Sie als Markkleeberger und Großstädteln-Großdeubener Kirchgemeinden?
Da möchte ich Sie ermutigen und bestärken, weiter wie Kerzenhalter oder Windschutz für das Licht der Welt zu wirken. In den letzten zweieinhalb Wochen gab es einige Gelegenheiten, die mich sehr dankbar für Ihren Dienst gemacht haben: Bei Besuchen in ihren Orten, bei Gesprächen mit denen, die in den Kommunen Verantwortung tragen, habe ich immer wieder gehört, dass mit großer Hochach-tung von Ihrem Dienst gesprochen wird. Verstehen Sie bitte ihren großen Schatz, den Kindergarten, als Kerzenhalter und Windschutz. Er ist aller Mühe wert. Durch ihn kann das Licht der Welt transpor-tiert werden. Dem gilt es, alle Aufmerksamkeit zu widmen. Ich werde nicht vergessen, wie ein Got-tesdienst zum Ewigkeitssonntag von Jugendlichen ausgestaltet wird und dadurch Tiefe gewinnt, wie ich es selten erlebt habe. Ich denke mit großer Dankbarkeit an die ansteckende Freude, die durch die Kirchenmusik verbreitet wird. Ich durfte in Seniorengruppen zu Gast sein, die auch im Adventfeiern als Perspektive behalten, Licht zu verbreiten, sei es durch die vielen Geburtstagsbesuche hier in Markkleeberg oder die gemeinsame Zeit mit den Kindern aus dem Christlichen Jugenddorfwerk in Großstädteln. Und zum Schluss, aber gewiss nicht als das Letzte: Eine engagierte, hochqualifizierte und kompetente Verwaltung in so vielfältig aktiven Gemeinden ist ein wahrer Segen.
Zum Weihnachtsfest werden wir wieder von der geöffneten Tür singen: „Heut schleußt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis. Der Cherub steht nicht mehr dafür, Gott sei Lob, Ehr und Preis.“ Durch die Tür einzutreten in Gottes Glanz und Licht, wartet auf uns. Bis dahin lasst uns singen: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit. Es kommt der Herr, der Herrlichkeit.“
Und der Friede Gottes, der weiter reicht als alles, was wir uns vorstellen können, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn.

Amen.

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