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Predigt in den Konfirmationsgottesdiensten am Pfingstsonntag
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Predigt in den Konfirmationsgottesdiensten am Pfingstsonntag "Früchte-Predigt"

Predigt vom 24.05.15 (Pfarrer Dr. Arndt Haubold) Ort: Martin-Luther-Kirche

Liebe Konfirmanden, liebe Eltern, liebe Gäste, liebe Gemeinde!

Ein Korb gereifter Früchte steht hier in unserer Mitte (herumzeigen). Das ist keine Verwechslung mit dem Erntedankfest. Gereifte Früchte sitzen auch hier im Altarraum – unsere Konfirmanden. Sehen sie nicht auch zum Anbeißen aus? Sie sind ebenfalls reif geworden. Vor 14 Jahren waren sie kleine Babies, manche von ihnen habe ich als Täuflinge mit Wasser begossen. Dreizehn von ihnen haben in unserem schönen Kindergarten nebenan gute Jahre erlebt. Dann seid ihr in die Schule gekommen – und heute staunen eure Eltern, dass ihr schon flügge geworden seid, auf dem Sprung zum Erwachsenwerden. Eure Eltern haben viel in euch investiert an Liebe, Zeit, Geduld und Kosten, haben Freude an euch gehabt - und manchmal auch Ärger. Für die Eltern ist das Ende eurer Kindheit eher mit einem Tropfen Wehmut verbunden, sie möchten gern an euch als Kindern festhalten – ihr aber könnt es gar nicht erwarten, erwachsen zu werden, um endlich alles vom Leben ohne Einschränkungen genießen zu können. Reife Früchte seid ihr geworden - manchmal ganz schöne Früchtchen. Die eine ist mehr der Typ Erdbeere, süß, aber ein bisschen empfindlich, die andere eher Paprika, feurig und ganz schön scharf, der eine ist mehr der Typ Zitrone, aus dem man jedes Wort herausquetschen muss, der andere der Typ Pampelmuse mit der dicken Schale, an den man nicht leicht herankommt…

Mit dem Bild der Früchte sind wir mitten in der Bibel. Da ist häufig die Rede von Früchten – angefangen bei den Früchten jenes Baumes im Paradies über die Früchte des Feldes in den Gleichnissen Jesu und immer wieder der Weinstock. Die Früchte des Feldes und des Gartens sind zugleich Sinnbilder für geistliche Früchte. Gott wird als ein großer Gärtner betrachtet. Wir Menschen sind Pflanzen, die Früchte tragen.

Wie seid ihr reif geworden? Eure Eltern haben euch Nahrung und Kleidung, Bildung und ihre Prägung gegeben. Großeltern, Paten, Freunde, Erzieher haben ihren Anteil daran. Die Sonne hat euch gewärmt und die Erde hat euch genährt. Der Staat, in dem wir leben, hat gute Rahmenbedingungen für euch bereitgehalten. Sport- und Musikgruppen verdankt ihr viel. Auch unsere Kirche hat euch gedüngt und begossen. Das alles hat euch zur heutigen Reife gebracht. Seid heute dankbar für diese Gewächshausbedingungen, wie sie kaum andere Jugendliche auf der Welt erleben dürfen.

Zu alldem aber hat Gott seinen Wind und Regen und Wachstum und Gedeihen dazugegeben. Denn nicht alles, was wir Menschen planen, gelingt. Uns Menschen passieren unentwegt Fehler, auch euren Eltern sind sie passiert und sie werden euch passieren. Und doch geht vieles gut aus. Das Leben ist insgesamt ein komplexer Zusammenhang, den wir nicht als ganzes in der Hand haben oder gar künstlich erzeugen können. Es ist ein Geheimnis um das Leben, und Gott ist der Hüter dieses Geheimnisses.

Auch unser Leben ist also ein Fruchtreifeprozess. Wir sollen gute Früchte bringen. Jesus gebraucht das Bild eines Weinstocks. „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Jh. 15,5) Wir haben einen Weinstock hinten in der Kirche für unsere Täuflinge, aber erst seit wenigen Jahren. Ihr seid damals zu eurer Taufe noch nicht an diesem Weinstock als Trauben angebracht worden, aber ihr seid auch dem Weinstock Jesus eingepfropft worden. Er ist der Wurzelstock, der Stamm, an dem wir wachsen und reifen. Wir sollen nicht einfach wild wachsen, wie es uns Spaß macht, sondern wie die Reben, also die Seitenäste, müssen wir regelmäßig verschnitten und zurechtgebogen werden, müssen Luft und Sonne empfangen können, damit wir gute Trauben tragen. Jeder Gärtner muss in seinem Garten jäten, ausgeizen, kupieren, verschneiden und verziehen – gute Früchte brauchen ständige Pflege und Veredelung. Und nur wenn wir am Weinstock Jesus dranbleiben -  dazu dienen das Abendmahl, der Gottesdienst, die Bibel -  verlieren wir den Nährstoff des Glaubens nicht. Werft nicht weg, was ihr euch angeeignet habt in diesen Jahren, liebe Konfirmanden, und lasst es nicht verdorren! Heute zur Konfirmation schenkt euch Gott seinen Heiligen Geist, damit ihr Früchte des Glaubens bringen könnt.

Was sind das für Früchte? Die Früchte des Heiligen Geistes beschreibt der Apostel Paulus im Galaterbrief (5,22): Es sind Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Bescheidenheit und Selbstbeherrschung.

Das klingt nicht gerade so fetzig, wie sich das Vierzehnjährige wünschen. Vielleicht wünscht ihr euch heute eher Power, Action, Erlebnis, Abenteuer, Risiko – und natürlich Geld. Aber wie steht es um diese „Werte“? Junge Menschen aus Deutschland ziehen in den Dschihad nach Syrien, andere rasen sich mit 18 Jahren mit dem neuen Motorrad zu Tode, manche finden sich im Komasaufen und Drogenkonsumieren stark, wieder andere haben Spaß daran, Wehrlose zu verprügeln oder Ausländer zu jagen, und einige können nicht früh genug sexuelle Erfahrungen machen, um damit anzugeben. Das fetzt vielleicht wie ein Krimi im Fernsehen. Aber soll das Lebensglück sein? Die meisten Menschen sehnen sich nach anderem. Was so scheinbar langweilig klingt, ist doch die Rezeptur, die das Leben auf Dauer glücklich macht: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Bescheidenheit und Selbstbeherrschung.

Es ist eure Bestimmung als Christenmenschen, nicht nur nach den Maßstäben dieser Welt demnächst gute Schulabschlüsse und berufliche Karriere zu machen, nicht nur Preise zu gewinnen, Partner zu finden, Geld zu verdienen, Erfolg zu haben – wobei das alles nicht schlecht ist - sondern Früchte des Glaubens zu bringen. Dazu seid ihr jetzt herangereift. Wenn ihr Früchte des Glaubens bringt,  wird eure Zukunft voll Wärme und Menschlichkeit sein. Gott wird euch als guter Gärtner pflegen. Und wenn ihr an Jesus als dem Weinstock bleibt, werdet ihr keinen Mangel haben in eurem Leben.

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Pfarrer Dr. Arndt Haubold
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