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Predigt in den Konfirmationsgottesdiensten am Pfingstsonntag über Mt. 7,13f
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Predigt in den Konfirmationsgottesdiensten am Pfingstsonntag über Mt. 7,13f

Predigt vom 04.06.17 (Pfarrer Dr. Arndt Haubold) Ort: Martin-Luther-Kirche

Liebe Konfirmanden,

ihr seid vor 35 Minuten feierlich durch das Hauptportal unserer Kirche eingezogen. Bei manchen wird diese Tür als Tischkarte heute noch die Festtafel schmücken. Und wir haben zu Beginn das Lied gesungen: „Tut mir auf die schöne Pforte, führt in Gottes Haus mich ein!“ Durch diese Tür unserer Kirche seid ihr in den letzten zwei Jahren oder auch schon vorher oft zum Gottesdienst gekommen. Zwei von euch haben es 100x geschafft in den beiden Jahren – das ist unter meinen Konfirmanden in 38 Dienstjahren der Rekord!
Es gibt Türen, die für uns eine starke gefühlsmäßige Bedeutung haben: die Tür des Kindergartens, den ihr einst besucht habt, vielleicht die Tür eurer Schule, die Tür zu eurem Wohnhaus oder eure Kinderzimmertür. Türen sind mehr als Bretter. Sie sind Symbole für Leben und Glauben, für Öffnen und Schließen. Es ist schön, wenn sich uns eine Tür öffnet, wenn wir Schutz und Geborgenheit suchen. Es ist schön, in ein neues Haus oder neue Räume einzutreten. Aber auch eine Tür hinter sich schließen zu können, ist manchmal gut. Die Tür ist ein Symbol für Leben und Glauben. Heute schließt sich hinter euch im symbolischen Sinn eure Kinderzimmertür, und die Tür zum erwachsenen Leben wird aufgeschlossen.
Es gibt sehr unterschiedliche Türen. Ich liebe alte, historische Türen mit Kastenschlössern,  Eisenbeschlägen und Holzfüllungen. Manche Hausfrauen mögen lieber moderne, glatte weiße Flächen, die sich gut putzen lassen. Manchmal muss eine Tür gepolstert werden, damit niemand dahinter lauschen kann. Schrecklich sind Gefängnistüren, die einem die Freiheit nehmen. In modernen Gebäuden sehen die Türen oft gar nicht mehr wie Türen aus. Da öffnen sich Glaswände wie von Zauberhand, da drehen sich Flügel und machen uns den Weg frei. Bahnhöfe, Flughäfen, Geschäfte wollen Kunden zu sich hineinlocken und machen die Türen deshalb so weit und breit, dass sie gar nicht mehr als Türen wahrgenommen werden. In Schlössern gibt es geheime Tapetentüren, die nur der Eingeweihte kennt.
Und es gibt Türrituale. Das wichtigste: Man klopft an, ehe man eintritt. Man fällt nicht mit der Tür ins Haus. Man achtet die Privatsphäre des anderen. Wenn sich mehrere Personen einer Tür nähern, gibt es eine bestimmte Reihenfolge, wer zuerst hindurchgeht. Der Jüngere lässt dem Älteren den Vortritt, der Herr der Dame, der Rangniedrigere dem Ranghöheren.
Kirchentüren sind etwas ganz Besonderes. Eine der heiligsten Kirchen der Christenheit ist die Geburtskirche Jesu in Bethlehem. Wer dort eintreten will, muss sich tief bücken, um durch eine kleine und niedrige Pforte hineinzugelangen. Ähnlich ist das in der russisch-orthodoxen Kirche in Leipzig. Ganz anders sind die Portale der großen Dome wie in Meißen oder Notre Dame in Paris: Sie sind überwältigend groß und mit prunkvollem Figurenschmuck verziert, so dass man sich wie ein kleiner Wurm vorkommt, wenn man hindurchgeht. Sie wollen eine Pforte des Himmels sein. Sie zeigen uns, dass wir in das Reich Gottes hineinkommen, wenn wir zu glauben beginnen.
Was meint aber Jesus, wenn er uns sagt: „Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, die zur Verdammnis führt, und es sind viele, die dadurch hineingehen, aber die Pforte ist eng, die zum Leben führt, und wenige sind es, die sie finden.“? Spricht er damit nicht seine Verachtung aus über alle unseren schönen und großen Kirchenportale, über alle unseren herrlichen Kirchen und auch über unsere volle Kirche heute zu diesem Fest?
Nein, denn Jesus ist kein Dschihadist, der Kirchen und Kunstwerke, gar Menschenleben aus religiösem Wahn zerstört, auch wenn er einmal die Tempelhändler attackiert hat. Er freut sich an denen, die zum Tempel Gottes kommen. Der Tempel war sein geistliches Vaterhaus. Sein Bild ist heute in der Mitte jeder Kirche und oft auch über den prächtigen Portalen der großen Dome, auch wenn er nicht als Denkmalpfleger in die Geschichte eingegangen ist.
Aber warum empfiehlt er uns die enge Pforte? Jesus sagt uns, dass es im Leben nicht auf den Sog der Masse ankommt, nicht darauf, zu tun, was alle tun, oder dahin zu gehen, wohin alle rennen. Das kann sogar gefährlich sein. Auf diese Weise ist unser Volk schon verführt worden zu Kriegen und anderen Verbrechen. Immer lauern Gefahren, wo Menschen in der Masse zusammenkommen, bei Fußballspielen, bei Konzerten, selbst beim Kirchentag. Natürlich, solche Großveranstaltungen sind nicht von vornherein schlecht und enden nicht automatisch tödlich. Volle Kirchen wie heute sind auch eine schönes Erlebnis. Dennoch sagt Jesus: Geht hinein durch die schmale Tür. Er sagt uns damit dreierlei:
Erstens: Der Weg eines Christen in der Nachfolge Jesu ist immer ein individueller Weg und eine höchstpersönliche Entscheidung. Auch wenn wir insgesamt viele Christen auf der Welt sind, etwas zwei Milliarden: Unser Glaube ist keine Massenware, sondern Einzelanfertigung, vor allem hier in unserem Land. Du selbst musst durch die schmale Tür gehen, durch die nur immer ein einzelner passt, und kannst nicht nur in der Masse mitschwimmen. Deine Entscheidung heute zur Konfirmation ist dein persönliches Ja zu Gott. Sie geschieht nicht aus Familiendruck, auch wenn sie eine gute Familientradition sein kann. Kein Karrieredruck steht dahinter, kein politischer Druck und kein Druck durch Schulklasse oder Freundeskreis, wie es das zu anderen Zeiten gegeben hat. Und auch wenn wir in unserer Gemeinde erfreulich hohe Konfirmandenzahlen haben Jahr für Jahr – Dank sei Gott dafür! – auch in diesem Jahr wieder 35 Jugendliche - und auch wenn heute unsere Kirche so festlich gefüllt ist – das darf uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir nicht die Masse sind. Es gibt mehr Jugendliche, die nicht konfirmiert werden, es gibt mehr Nichtgläubige als Gläubige in unserem Land, und als einzelne, wenn ihr es ernst meint mit eurem Glauben, werdet ihr manchmal ganz allein dastehen. Sogar Luther in einer Zeit, als eigentlich fast alle Einwohner Christen waren, hat einmal geschrieben: „Die Christen wohnen fern voneinander.“ Wer es ernst meint im Leben, bleibt immer ein Einzelgänger. Und vielleicht werdet ihr einmal an einem Ort wohnen, wo es nur wenige Christen gibt. Gerade dann ist euer Glaube und euer Engagement in der Gemeinde wichtig. Deshalb sagt Jesus: Geht durch die enge Pforte!
Zweitens: Weil die Pforte eng und niedrig ist, müssen wir uns bücken und quetschen, um hindurchzukommen. Christenleben ist kein Triumphzug und keine ungestörte Erfolgsgeschichte. Wer Jesus nachfolgen will, muss sein Kreuz mittragen und einen demütigen Gang einlegen. Wir Christen drängen uns nicht nach dem Siegerpodest, wir spielen nicht in erster Linie das Spiel der Reichen, Mächtigen und Schönen, sondern wir achten auf die Verlierer, auf die Schwachen, auf die Kleinen, auf die Zurückgebliebenen am Wege. Wir widersetzen uns dem Konkurrenzkampf, dass alles nur immer perfekter werden muss. Wir widersetzen uns dem Beurteilungswahn, dass wir jeden Einkauf und jeden Kontakt hinterher bewerten müssen zur angeblichen Optimierung. Wir wissen, dass wir alle Schwächen haben. Wir helfen den Schwachen, mit uns voranzukommen. Wir plustern uns nicht groß auf, sondern sind ehrlich und wahrhaftig. Bescheidenheit und Demut statt Großkotzigkeit und Angeberei machen das Miteinander lebenswert. Deshalb die enge Pforte.
Und das dritte: Jesus selbst ist die Tür zum Leben. Es gibt heute viele Angebote, die sich als Türen vor euch öffnen. Werde Mitglied in diesem Club! Schließe diese Versicherung oder diesen Sparvertrag ab! Kaufe dieses i-phone! Tritt in diese Partei ein! Lies dieses religiöse Buch! Rette die Welt mit diesem Programm! Kämpfe mit gegen diese Feinde! Linke und rechte Bewegungen werben um euch Jugendliche mit weit geöffneten Türen und machen dabei tolle Versprechungen. Auch religiöse Bewegungen sind dabei, die euch für den Dschihad gewinnen wollen, für den rechten Pfad Buddhas oder für eine neue Jesusbewegung, hauptsache fern von der Kirche! Ihre radikalen Ideen klingen für Jugendliche oft verlockend. Aber die beste Tür zu einem guten Leben ist und bleibt Jesus Christus. Einen besseren Schlüssel findet ihr nicht, und zwar so, wie er zu unserer Kirche passt. Deshalb geht immer wieder durch diese enge und schmale Jesus-Tür, prüft eure Meinung und die Programme, die euch vorgelegt werden, an seinen Grundsätzen. Er meint es gut mit euch und mit uns. Er ist und bleibt die beste Tür, auch wenn sie eng ist und manchmal altmodisch aussehen mag – er ist die Tür zum Leben!

Es gilt das gesprochene Wort.     

 

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Pfarrer Dr. Arndt Haubold
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