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Predigt am 9. Sonntag n. Trin., 24.07.2016, über Phlp. 3,7-14
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Predigt am 9. Sonntag n. Trin., 24.07.2016, über Phlp. 3,7-14

Predigt vom 24.07.16 (Pfarrer Dr. Arndt Haubold) Ort: Martin-Luther-Kirche

Liebe Gemeinde,

in wenigen Tagen beginnen die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Die ursprüngliche Idee des Gründers war eine Völkerverständigung und ein friedliches Festival der ganzen Welt. Davon sind wir heute weit entfernt. Die korrupten Geschäfte bei diesen Spielen und im Sport überhaupt verdunkeln die Idee. Der sachlich gerechtfertigte Ausschluss russischer Sportler zeigt die politische Verwicklung der Spiele. Vor allem aber sind die Verhältnisse in Brasilien schwierig. Seit Monaten ist das Land in einer politischen Krise, die Präsidentin entmachtet. Von Olympia für die Reichen ist die Rede. Es entsteht eine glitzernde Scheinwelt, für die viele Arme im Land verdrängt und enteignet worden sind, die von diesen Spielen nichts haben. Natürlich entstehen auch zeitweise Arbeitsplätze, und die Aufmerksamkeit der Welt richtet sich auf Brasilien. Es ist nicht alles schlecht an Rio, und für die Freunde des Sports bleibt noch viel Erlebniswertes.

Auf diese Situation passt unser heutiger Predigttext. Hier verwendet der Apostel Paulus Vergleiche aus der Welt des antiken Sports und stellt sich fast wie ein Sportreporter dar. Er schildert den Glauben an Jesus Christus wie einen Wettkampf und die Auferstehung von den Toten als das große Ziel. Er gesteht sich ein, dass er das Ziel noch nicht erreicht habe und noch nicht vollkommen sei, dass er ihm aber nachjage. Dafür vergesse er alles, was hinter ihm liegt, und strecke sich aus nach dem, was vorne ist.

Ein typisches Verhalten eines Läufers im Wettkampf. Ich erinnere mich an meine Sportkarriere in jungen Jahren. Ich war ganz gut im Kurzstreckenlauf und trat in der 100-m-Disziplin bei der Kreismeisterschaft in Rochlitz 1967 an den Start. Als ich losrannte, sah ich nur nach vorn auf die Zielgerade und sah nicht zurück oder nach der Seite, wie weit die anderen wären – und tatsächlich errang ich den Sieg und überrannte als erster die Ziellinie. Ich war nah an einer olympischen Karriere… Was für den Sport gilt, gilt in ähnlicher Weise auch für den christlichen Glauben.

Als erstes dürfen wir nicht zurückschauen, sondern müssen stets nach vorn schauen. Die Gefahr des Zurückschauens wird in der Bibel immer wieder genannt. Als Lot mit seiner Familie aus dem brennenden Sodom flieht, sagt Gott, sie sollten nicht zurückschauen. Lots Weib aber tut es doch, vielleicht aus Neugier, vielleicht aus Wehmut – und erstarrt daraufhin zur Salzsäule. Und Jesus sagt: „Wer seine Hand an den Pflug legt und schaut zurück, der ist nicht geschickt zum Reiche Gottes.“

Menschlich verständlich ist das Zurückschauen, vor allem auf schöne Stationen oder Phasen unseres Lebens. Wir schauen gern alte Fotoalben an, sofern wir Älteren noch so etwas haben – die Jugend wird später verzweifelt auf ihren i-Pads herumwischen und nicht mehr finden, was sie sucht. Wir schauen gern zurück auf eine Heimat, die wir verlassen mussten infolge der Braunkohle oder des Krieges. Wir schauen gern zurück auf ein Haus, in dem wir glücklich waren, auf eine Arbeitsstelle, die uns Freude gemacht hat, auf eine Gemeinschaft in der Familie oder im Freundeskreis, in der wir glücklich waren. Aber das Zurückschauen lähmt uns auch für die Zukunft und nimmt uns die Kraft für einen Neubeginn. Gott geht mit uns dann und wann neue Wege, und wir müssen diese annehmen und nach vorn schauen. Ein Neubeginn in einer anderen Schule oder Schulklasse, ein Neubeginn an einem neuen Wohnort oder Arbeitsplatz. Das Nach-vorn-Schauen gilt sogar dann, wenn diese Wege im Alter eingeschränktere Weg sein können – ein Weg aufs Altenteil, ein Weg ins betreute Wohnen, ein Weg ins Pflegeheim, ein Weg ohne einen verlorenen Partner. Immer sollen wir nach vorn und nicht nach hinten schauen.

Das Zweite, was Paulus uns ans Herz legt, ist das Eingeständnis unserer Unvollkommenheit. „Nicht, dass ich’s schon ergriffen hätte, sondern ich jage ihm nach“, schreibt Paulus. Ich habe es noch nicht ergriffen, ich bin noch nicht am Ziel, ich bin noch nicht perfekt. Natürlich muss ein Sportler Zutrauen zu seiner Kraft haben. Er muss sich sagen: Du gewinnst Gold! Oder: Wir werden Europameister! Aber er darf sich nie zu sicher fühlen, als hätte er den Sieg schon in der Tasche. Das würde seine Kraft lähmen. Er muss immer versuchen, noch mehr aus sich herauszuholen, und muss bis zuletzt zu trainieren, um immer besser zu werden. So ist es auch im Glauben. Wir dürfen nie von uns denken, wir hätten schon Vollkommenheit erlangt oder wären im Glauben so fest, dass uns nichts erschüttern könnte - wir brauchten keine Anstrengung mehr und keine Nachhilfe. Nein, wir haben es noch nicht ergriffen, wir sind immer auf dem Weg und im Bemühen. Wenn wir bei unserem Glaubensstand zur  Konfirmation stehen bleiben, sind wir nicht selig, sondern armselig dran.

Als drittes gilt: Wir müssen dem Ziel nachjagen. Wenn wir nicht mit ganzem Eifer im Wettkampf sind und die Schnellsten und Besten sein wollen, erringen wir den Sieg nie. Kein Rennfahrer kann in gemütlicher Ruhe loslegen und denken, komm ich heut nicht, komm ich morgen, du wirst schon noch vor dem Ziel auf Tempo drücken. Natürlich jagt er nicht ununterbrochen, sondern vor allem in den Minuten des Wettkampfs, danach muss er sich auch ausruhen. Er muss aber als Sportler ständig in Bereitschaft sein und im Training bleiben, damit er nicht seine Kondition verliert. Das gilt ebenso für den Musiker mit seinem Instrument. Das gilt nun aber auch für uns als Gläubige. Wir müssen stets im Training bleiben, damit wir in den entscheidenden Phasen gewinnen können. Zum Glaubenstraining gehört der sonntägliche Gottesdienst, darum ist er mehr als eine feierliche Stunde. Aber auch die Junge Gemeinde nach der Konfirmation, die christliche Kindererziehung nach deren Taufe, die Teilnahme an Angeboten unserer Gemeinde, Veranstaltungen, Rüstzeiten, die Lektüre von christlichen Zeitungen und Büchern, das Gespräch mit den Mitgläubigen, das Gebetsleben mit Gott – alles das gehört zum christlichen Glaubenstraining. Noch nie hat die Kirche und auch unsere Gemeinde ihren Gliedern so viele Angebote gemacht wie heute. Jeder kann eine  finanzielle Unterstützung der Gemeinde bekommen, wenn er weiterbildende christliche Angebote wahrnimmt, und es gibt qualifizierte Angebote. Wer auf das alles verzichtet, mag sich nicht wundern, wenn er eines Tages nur noch einen leeren Glauben hat. Ich weiß, dass es vielen schwerfällt. Aber wir müssen einmal vergleichen, wieviel Zeit ein Muslim aufbringt für sein Glaubenstraining, und dann müssen wir uns nicht wundern, wenn wir Christen ein schwächeres Bild bieten und dazu beitragen, dass Deutschland irgendwann eine islamische Republik werden könnte. Eine tägliche Portion an Glaubenstraining ist keine Frage der Zeit, sondern der Selbstorganisation.

Als viertes und letztes geht es um den Siegespreis. Im idealen Sport besteht er nur aus einem Lorbeerkranz, einer Medaille oder einem Titel. Oft steht dahinter allerdings doch handfestes Geld oder andere Belohnungen. Was ist unser Siegespreis? Paulus schreibt: „die himmlische Berufung Gottes in Christus Jesus“. Das himmlische Ziel ist unser letztes und höchstes – und zugleich unser schwierigstes. Wieder hilft uns ein Vergleich: Islamische Prediger verführen immer wieder junge Muslime zu Selbstmordattentaten mit dem Versprechen, Allah würde ihnen diese Tat lohnen, indem er sie sofort danach in den Himmel aufnähme, wo 70 Jungfrauen und andere Freuden sie erwarteten. Unsere christliche Himmelsvorstellung ist demgegenüber nicht so verführerisch – aber vielleicht ist uns auch bewusst, dass jene Verführung eben eine lügnerische Verführung ist. Wir Christen sprechen davon, dass wir nach dem Tod zu Gott gelangen oder zur Auferstehung von den Toten. Das ewige Leben ist für uns eine Hoffnung, dass nicht alles vorbei ist, sondern Gott weiter an uns wirkt. Aber es ist für uns kein Ausmalbuch mit fertigen Konturen, in das wir nur bunte Farben hineinmalen müssten. Deshalb halte ich auch die farbigen Prospekte der Zeugen Jehovas für verführerisch. Nein, der Himmel ist für uns noch eine Tür, hinter die wir nicht schauen können – „ich habe es noch nicht ergriffen“ – aber wir vertrauen Gott, dass Er hinter dieser Tür auf uns wartet und uns empfangen wird wie ein guter Vater.

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Pfarrer Dr. Arndt Haubold
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