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Predigt am 1. Sonntag nach Epiphanias, 11.01.2015, über Mt 3,13-17
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Predigt am 1. Sonntag nach Epiphanias, 11.01.2015, über Mt 3,13-17

Predigt vom 13.01.15 (Pfarrer Dr. Arndt Haubold) Ort: Martin-Luther-Kirche

Liebe Gemeinde,

die Tagesordnung der Welt und die heilige  Ordnung des Kirchenjahres stimmen nicht immer überein, können nicht übereinstimmen. Während wir hier in unserer schönen Kirche bei erhebender Barockmusik unter dem Christbaum am Fest der Taufe Jesu zusammensitzen, versammeln sich in Paris hoffentlich viele Menschen zum Gedenken an die Terroropfer der letzten Tage und zum Ausdruck der Solidarität gegen Hass und Gewalt. Es wäre falsch, wenn wir an diesen Ereignissen vorbeigingen, als beträfen sie uns nicht. Aber es wäre ebenso falsch, wenn wir die Musiker nach Hause schickten und das Kirchenjahr verleugneten als Folge eines Attentats. Versuchen wir, eine Brücke zu bauen!

Die Bluttat von Paris in dieser Woche sitzt den meisten von uns noch in den Knochen - nicht nur denen, die Verwandte und Freunde dort haben. Sie verdrängt alle nachweihnachtlichen Gedanken. Die Brutalität und der Fanatismus sind für uns schwer verständlich. Dieses Verbrechen gießt Wasser auf die Mühlen aller, die derzeit ihrer Angst vor einer Islamisierung auf den Straßen Ausdruck geben. Wir brauchen jetzt aber vernünftige und besonnene Reaktionen, keine Aufputschung von Hass und keinen Generalverdacht gegen alle Muslime. Es ist zu begrüßen, dass Gläubige aller Religionen in dieser Lage im Gebet zusammenrücken und dass sich auch Muslime endlich von solchen Verzerrungen ihres Glaubens distanzieren. Aber es wird auch noch lange Zeit brauchen, bis sich der Islam tatsächlich von seinen kämpferischen Grundsätzen gegen Andersgläubige verabschiedet, wie es das Christentum getan hat, und zu einem Islam der Barmherzigkeit wird, wie es bisher noch zu wenige muslimische Theologen fordern.

Eine biblische Antwort auf diese Ereignisse zu finden, fällt nicht leicht. Es gibt keine derartigen religiösen Terrorakte in der Bibel, aber auch keine kritische Satire im Sinn heutiger Pressefreiheit.

Im Nachklang der Weihnachtsgeschichte denken wir an den Kindermord des Herodes als vergleichbarem Terrorakt, an den wir vor fünf Tagen am Epiphaniasfest hier erinnert haben. Irgendwann fällt einem aber auch der Profet Elia ein, der die 400 Baalspriester abschlachten ließ. Es gibt auch eine Spur der religiösen Gewalt im Christentum, der wir uns als Gefahr immer bewusst sein müssen. Dennoch sind das in den meisten Fällen Gewaltakte vergangener Zeiten, oder wie bei Elia wahrscheinlich nur eine Erzählung. Ich lasse mich heute als Christ nicht mehr haftbar machen für die Verbrechen der Inquisition im Mittelalter. Das Christentum ist mittlerweile die am stärksten verfolgte Religion in der modernen Welt, befindet sich also in der Opfer-, nicht in der Täterrolle. Ich glaube, dass wir in dieser Situation nicht anders als aus dem Geist Jesu heraus reagieren dürfen, wie wir es 1989 getan haben: keine Gewalt, keinen Hass, und den Dialog suchen mit den Gegnern und sich mit ihnen an einen Tisch zu setzen. Die Seligpreisungen Jesu an die Barmherzigen und Friedfertigen sind die einzig richtige Antwort.

Aber nicht das Attentat von Paris ist der Inhalt dieses Sonntags, sondern die Taufe Jesu. Und dem wollen wir uns auch stellen. Es ist der Abschied vom Weihnachtsfest. Es war keine Kindtaufe, die dort am Jordan geschah, sondern die Taufe eines erwachsenen, etwa 30jährigen Mannes, die eine neue Etappe im Leben Jesu einleitete, nämlich seine öffentliche Verkündigung. Seine Beschneidung als Kleinkind haben wir am 1. Januar gefeiert. In seiner Taufe wird er aber jetzt nochmals als Sohn Gottes deklariert, und damit wird die Weihnachtsbotschaft noch einmal anders  aufgenommen. Es ist kein Gegensatz zwischen dem Kind und dem Erwachsenen Jesus. Er hat schon als Kind – noch ohne Worte – verkündigt. Die Umstände seiner Geburt und das, was die Kirche daraus erkannt hat – die Menschwerdung Gottes in Christus – ist die erste Etappe des Wirkens Jesu. Jetzt beginnt die zweite Etappe, das bewusste Predigen und Handeln. Das ist der Abschied von Weihnachten. Wir treten in die Nachfolge Jesu ein.

Die Taufe Jesu ist nun allerdings ein absoluter Sonderfall einer Taufe. Bis dahin gab es schon vergleichbare Reinigungsrituale bei den Essenern, einer religiösen Sekte am Toten Meer. Dann kam es zu den Taufen, die Johannes der Täufer vollzog. Es waren Bußtaufen, die die Empfänger der Taufe nach der Erkenntnis ihrer Sünden zu erneuerten Menschen machten. Jetzt aber tauft Johannes Jesus, und er tut es verunsichert und sagt, eigentlich müsste ich von dir getauft werden, Jesus! Es ist auch keine Bußtaufe, die hier geschieht. Wie kann sich der einzigartige Sohn Gottes einem Menschen unterordnen? Hätte nicht Johannes an dieser Stelle seine Aufgabe an Jesus abgeben müssen? Diese Frage hat die ersten Christen schon sehr beschäftigt. Jesus unterzieht sich aber bewusst dieser Taufe, er bittet Johannes geradezu darum. Und als Johannes zögert, sagt er, lass es geschehen, damit alle Gerechtigkeit erfüllt würde. Gerechtigkeit ist hier nicht das, was wir heute darunter verstehen, Mindestlohn oder Gleichbehandlung von Männern und Frauen vor dem Gesetz. Die Gerechtigkeit Gottes bedeutet in der Bibel in diesem Zusammenhang, Gottes Plan in Demut und Gehorsam zu verwirklichen. Es ist ein Hinweis auf einen noch verborgenen Plan, den Gott mit Jesus hat, zu dem diese demütige Taufe gehört. Wie überhaupt eine Taufe nie ein Akt menschlichen Stolzes, sondern immer ein Akt der Demut ist. Ich liefere mich Gott in der Taufe aus. Erst nachdem der Plan Gottes mit Jesus ans Ziel gekommen ist, wird das Thema Taufe bei den Christen aktuell. Bis dahin nicht, und dann wird sie zur Taufe auf den Namen Jesu, zur trinitarischen Taufe – was bei Jesu Taufe noch gar nicht der Fall war. Also ein absoluter Sonderfall.

Diese Taufe Jesu führt in den orthodoxen Kirchen zu einem Ritual, das Mut und Kraft benötigt: zu einem besonderen Eisbad. Vielerorts in der orthodoxen Welt – ob im rumänischen Siebenbürgen oder im sibirischen Russland – werden an diesem Tag Löcher ins Eis eines Flusses oder Sees gehackt, dann wirft der Priester ein Kreuz in die eisigen Fluten, und mutige Männer tauchen in das Wasser ein, um das Kreuz vom Grund heraufzuholen. Es ist eine Handlung des Körpers, die die Erneuerung des Bades der Taufe sehr deutlich macht. Wie überhaupt in den orthodoxen Kirchen die Taufe als Ganzbad vollzogen wird. Die kleinen Kinder werden natürlich in der kalten Kirche in einen Kessel mit warmem Wasser getaucht und anschließend in dicke Tücher gehüllt. Das war auch hierzulande im Mittelalter üblich. Es gibt Menschen, die diesen Erlebnischarakter der Taufe für sich auch heute wünschen und deshalb Taufen in Flüssen oder Seen erbitten und die Taufe auch für das Erwachsensein aufheben möchten.

Ich finde es allerdings komisch, wenn Pfarrer im Talar im hüfttiefen Wasser herumwaten, um Taufen zu vollziehen. Mich überzeugt diese Taufkultur nicht, weil wir heute in einer intensiven Badekultur leben. Früher war ein Wasserbad wirklich eine Ausnahme und damit etwas Besonderes. Aber heute, wo jeder zu Hause oder im Wellnessbad unentwegt herumplanscht, hat das Vollbad für die Taufe für mich keinen tieferen Sinn. Da genügt eine symbolische Waschung mit drei Händen voll Wasser vollkommen. Bei den orthodoxen Christen ist dieses Fest der Taufe Jesu noch mit einer Wasserweihe verbunden. In Sibiu erlebte ich es vor vier Jahren, dass auf dem Marktplatz auf einer Bühne Batterien von Mineralwasserflaschen aufgestellt waren, die der Bischof mit einer Zeremonie weihte, um sie danach gegen eine Spende an die Gläubigen zu verteilen.

Wichtiger als die Frage, wie viel Wasser man zur Taufe nehmen muss, ist, was von oben hinzukommt: der Heilige Geist und Gottes Wort. In der Taufe schenkt uns Gott seinen heiligen Geist. Das ist uns oft nicht bewusst. Andere Christen salben deshalb die Täuflinge mit Chrisam-Öl. Das ist es, was wir vielleicht bedenken und einführen sollten – ein Zeichen für die Geistverleihung. Die Getauften, ob groß, ob klein, erhalten bei der Taufe den Heiligen Geist. Das ist die Keimsaat des Glaubens. Jeder Getaufte muss daraus etwas machen, und das ist altersunabhängig. Jeder darf sich dessen immer wieder erinnern: Du hast das Keimgut des Glaubens in dir. Aber gießen und nähren und großziehen musst du es selbst. Gott wartet auf die Früchte des Glaubens, die wir Getauften hervorbringen.

Und Gott spricht zu uns allen bei der Taufe wie zu Jesus: Du bist mein geliebtes Kind! Daran dürfen wir uns immer wieder einmal erinnern, wenn wir in Sorgen und Nöten sind. Aber auch in schwierigen politischen Situationen, wenn wir nicht wissen, wie wir richtig handeln, gilt dieses: Du bist Gottes Kind. Manchmal wird es dann leichter, zu handeln, wenn wir uns daran erinnern. Ich hatte schon zu Weihnachten gepredigt, dass das beste Heilmittel gegen die Gefahr der Islamisierung unserer Gesellschaft ein christliches Bekenntnis ist. Dazu stehe ich auch heute. Nicht auf den Straßen, sondern in den Kirchen entscheidet es sich letztlich, wie wir dem Islam begegnen: tolerant, wenn er barmherzig auftritt, intolerant, wenn er Gewalt predigt und ausübt, aber am besten aus der Position bekennender Christen!

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Pfarrer Dr. Arndt Haubold
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