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Predigt zur Christvesper über Lk. 2, 1-20,
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Predigt zur Christvesper über Lk. 2, 1-20, "Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging..."

Predigt vom 24.12.11 (Pfarrer Dr. Arndt Haubold) Ort: Martin-Luther-Kirche

Liebe Gemeinde,

kaum eine Geschichte der Bibel ist so romantisch, so herzergreifend, so märchenhaft schön wie die Weihnachtsgeschichte: ein trautes junges Paar, das ein Geheimnis umgibt, ein Königskind, Engel in Scharen, Friede und Liebe, Hirten und Schäfchen, Gold und Schätze, ein Stern, ein Stall, viel Wunderbares… Aber kaum eine Geschichte der Bibel ist auch so voller Politik wie die Weihnachtsgeschichte: der römische Kaiser Augustus als mächtigster Herrscher der damaligen Welt, sein Provinzgouverneur Cyrenius im Nahen Osten, der jüdische Regionalkönig Herodes, der Geburtsort des großen Königs David, die drei Könige vom Morgenland - die ganze damalige Politprominenz tritt auf und wird seitdem Jahr für Jahr ins Krippenspiel einbezogen - und dabei ein bisschen aktuell aufpoliert und angepiekst. Die Weihnachtsgeschichte ist herzergreifend, romantisch, märchenhaft schön - und hochpolitisch zugleich!

Aufgrund vertraulich-offiziöser Kontakte nach Brüssel habe ich unlängst erfahren, dass sich die europäischen Regierungschefs vor diesem Weihnachtsfest auch etwas besonderes ausgedacht hatten. Auf dem Höhepunkt der Euro-Krise vor einigen Wochen, als das Vertrauen in die Politiker auf einen Tiefstand gesunken war, kam dort beim abendlichen belgischen Bier ein origineller Vorschlag auf. Wie wäre es, wenn die europäischen Staatenlenker am letzten Tag vor der politischen Weihnachtspause ein Krippenspiel im Straßburger Plenarsaal aufführten, bei dem sie selbst die Rollen übernähmen und wenn das als Weihnachtsbotschaft von allen 27 nationalen Fernsehanstalten ausgestrahlt werden würde? Das könnte doch einen populären Vertrauensschub für die Politiker geben - und für die Bevölkerung eine Stärkung des europäischen Bewusstseins. Alle waren begeistert von der Idee und machten sich gleich daran, die Rollen zu verteilen. Dabei gab es allerdings schon bald Differenzen.

Über die Besetzung der Hauptrollen Josef und Maria war man sich zuerst einig. Das konnten in diesem Jahr nur Nicolas Sarkozy und Angela Merkel sein. Als Christkind wollte Sarkozy sogar seine neugeborene Tochter Giulia in die Krippe legen, wenn Carla Bruni als Engel neben der Krippe knien dürfte - und wenn niemand seine Vaterschaft bezweifelte. Für die Rollen der armen Hirten suchte man nach einigen heruntergekommenen Personen - und alle schauten zum neuen griechischen Ministerpräsidenten Loukas Papadimos, der schon wegen seines biblischen Vornamens gut zur Weihnachtsgeschichte passte. Er erklärte sich bereit, die Arme-Hirten-Rollen von einigen seiner Minister bekleiden zu lassen, wenn sie wirklich nur ein bisschen Schafskäse als Gaben an die Krippe mitbringen müssten - mehr wäre derzeit nicht drin. Um die Rollen der drei Könige vom Morgenland, die ja ordentlich was an Gaben mitbringen mussten, gab es kein so großes Gedränge. Man verständigte sich schließlich wegen der Echtheit des Morgenlandes, dafür drei Politiker aus dem Osten als Gastrollen einzukaufen. Man fragte also an beim russischen Bald-Präsidenten Putin, beim türkischen Ministerpräsidenten Erdogan und beim chinesischen Staatspräsidenten Hu Jintao, die auch recht schnell ihre Bereitschaft signalisierten, weil sie sich auf diesem Wege offenere Türen zur EU erhofften. Putin sollte Myrrhe in Form von Erdöl liefern, wobei ihm Gerhard Schröder das Kamel am Halfter führen sollte. Erdogan sollte den Weihrauch mitbringen, bestand aber darauf, dass Maria an der Krippe unbedingt ihr Kopftuch tragen müsse. Und Hu sollte reichlich Gold mitbringen, um den Euro zu stützen, dafür durfte er auch vor Weihnachten das komplette Warensortiment für die EU liefern (mit Ausnahme der echt erzgebirgischen Nussknacker). Die Hauptrollen waren also bald besetzt. Schwieriger wurde es, freiwillige Darsteller für die negativ besetzten Nebenrollen zu finden. Als Kaiser Augustus, der die Steuerschätzung ausrufen sollte, überredeten sie schließlich noch einmal Silvio Berlusconi, weil er doch in Rom wohnte wie sein großer Vorgänger. Der sträubte sich zwar erst wegen der Steuer, gab dann aber doch aus Eitelkeit nach, weil er damit in die Weltgeschichte eingehen würde. Vor allem wollte er diesen Ruhm nicht dem griechischen Ex-Ministerpräsidenten Papandreou überlassen, der ja von Volksbefragung auch etwas verstand. Die hartherzigen Wirte von Bethlehem zu bestimmen, machte größte Mühe. Schließlich verständigte man sich auf erfahrene Finanzleute, die ja den Euro zusammenhalten mussten: Wolfgang Schäuble, Jean-Claude Trichet und Josef Ackermann sollten also die Herbergswirte spielen. Den bösen König Herodes als Kindermörder wollte absolut keiner spielen, bis sich endlich der niederländische Premier Rutte breitschlagen ließ, weil sein Land die liberalsten Gesetze für Schwangerschaftsabbrüche, Sterbehilfe und Drogenkonsum hat. Wer aber sollte als Verkündigungsengel den Völkern "große Freude" ansagen? Alle Politiker lehnten ab, auch Papst Benedikt ließ sich entschuldigen, obwohl er doch Erfahrung im Auftritt vor Parlamenten gesammelt hatte. Sie einigten sich schließlich, Thomas Gottschalk noch einmal zu fragen, der damit ein allerletztes Mal "Wetten, dass?" würde spielen können. Die himmlischen Heerscharen waren dann rasch gefunden. Alle EU-Ministerpräsidenten, die noch keine größere Rolle hatten, erhielten Engelsflügel und mussten zum Vorhang aufmarschieren.

Leider habe ich bis heute in den Nachrichtensendungen noch nichts gehört, ob die Vorstellung erfolgreich verlaufen ist. Aber eines steht fest: Es ist wirklich wichtig, dass die Völker Europas die Geschichte von Jesus Christus wieder ernstnehmen und in ihr Leben einbeziehen. Der innere Frieden und die Stabilität Europas hängen davon ab. Die drei großen christlichen Konfessionen in Europa sind ein Band seiner Einheit und Identität. Nicht die gemeinsame zehnjährige Währung, sondern der gemeinsame 2000-jährige Glaube verbindet uns in erster Linie! Das gilt nicht nur für die Politiker, sondern auch für alle seine Einwohner, für jeden von uns! Auch ihr, die ihr heute hierher gekommen seid - stellt euch der Glaubensfrage: Welchen Platz nimmt der christliche Glaube in eurem Leben ein? Ist er nur kurzzeitiger Weihnachtsschmuck, solange der Christbaum in der Stube steht, oder wird er euch zur Kraft für das ganze Jahr? Die Botschaft von Jesus Christus ist hinausgegangen in alle Welt. Ihre Saat ist aufgegangen in den Kirchen, Schulen, Krankenhäusern, Familien, Gefängnissen und auf Friedhöfen. Seht auch ihr zu, dass die Saat des Evangeliums bei euch aufgeht und Jesus Christus bei euch einzieht und ihr frohe Christen bleibt oder noch werdet - und eure Rolle findet in der Nachfolge Jesu!

Es gilt das gesprochene Wort.

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Pfarrer Dr. Arndt Haubold
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