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Predigt am Ostersonntag über 1. Sam. 2,1-10
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Predigt am Ostersonntag über 1. Sam. 2,1-10

Predigt vom 01.04.18 (Pfarrer Dr. Arndt Haubold) Ort: Martin-Luther-Kirche

Liebe Gemeinde,

Nach der Kreuzigung Christi kommt Nikodemus zu Josef von Arimathäa und bittet ihn, sein Grab für Jesus zur Verfügung zu stellen, doch dieser nennt Ausflüchte: „Ich brauche das Grab für mich und meine Familie.“ – Darauf Nikodemus: „Stell dich nicht so an – ist doch nur übers Wochenende!“

Lesung des Predigttextes

Gibt es unter uns Frauen oder Mädchen, die den Namen Hanna tragen? Nach welcher biblischen Hanna haben Ihre Eltern Sie genannt? War es die hochbetagte, verwitwete Profetin Hanna, die Tochter Phanuels, die Gott Tag und Nacht am Tempel in Jerusalem diente mit Fasten und Beten, und die den kleinen Jesus auf Marias Armen gesehen und dafür Gott gelobt hatte? Oder war es die Frau des Mannes Elkana aus Rama vom Gebirge Ephraim, die jahrelang großen Kummer trug, weil der Herr ihren Leib verschlossen hatte, dass sie kein Kind bekam, und ihre Nebenfrau Pennina, die eine ganze Kinderschar geboren hatte, frotzelte sie dafür jeden Tag. In diesem schweren Kummer hatten Elkana und Hanna beim jährlichen Opferfest in Silo - das war noch vor Jerusalem ein alter Anbetungsort in Israel - schließlich dem Herrn ein Gelübde geleistet: Wenn du uns, Herr, einen Sohn schenkst, so wollen wir ihn dir schenken, und er soll ein Priester werden. Der Herr hatte ein Einsehen mit den beiden, vielleicht brauchte er auch Priesternachwuchs – Hanna gebar einen Sohn, und sie nannten ihn Samuel, das heißt „vom Herrn erbeten“. - Gibt es Männer oder Jungen unter uns, die diesen Namen tragen? – Als nun der Knabe mit etwa drei Jahren der Mutterbrust entwöhnt war, brachten ihn die Eltern nach Silo zum Haus des Herrn und übergaben ihn der Obhut des Priesters Eli zur Ausbildung. Das muss schwer gewesen sein für Hanna, nach dem jahrelangen Warten auf ein Kind dieses nun gleich wieder wegzugeben. Aber sie war darüber fröhlich, denn sie stimmte ein Loblied an, das in der Liturgie der Kirche unter die großen Lobgesänge gerechnet  wird, von denen der Lobgesang der Maria der bekannteste ist, der übrigens vergleichbare Züge trägt. Gott hatte sein Wort gehalten, nun hält auch sie ihr Wort. Jedes Jahr näht sie ihrem Sohn ein Obergewand und schenkt es ihm beim jährlichen Besuch zum Opferfest in Silo, und im übrigen purzeln danach bei ihr noch die Kinder, Gott schenkt ihr noch drei Söhne und zwei Töchter, so dass sie auch noch ihre mütterliche Freude hat.

Was hat der Lobgesang der Hanna aber mit unserem Osterfest zu tun? Dazu müssen wir in den Wortlaut hineinhören. Er beginnt mit einem Freudenruf: „Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn… denn ich freue mich deines Heils.“ Das ist eine vorweggenommene Osterbotschaft: froh zu sein und sich zu freuen. Natürlich gab es im alten Israel schon reichlich von solchem frohen Gotteslob über mancherlei Errettungen und Hilfen, aber im Licht von Ostern können wir das immer „Osterbotschaften“ nennen. Auch der Abschluss ihres Lobgesangs ist eine verborgene Weissagung auf Ostern und den späteren Christus, er bezieht sich nicht auf ihren Sohn Samuel: „Der Herr wird Macht geben seinem Könige und erhöhen das Haupt seines Gesalbten.“ Nun aber hören wir in der Mitte ihres Lobgesangs, den wir jetzt in dieser Predigt nicht Wort für Wort auslegen können, noch einen bemerkenswerten Satz: „Der Herr tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf.“ Jetzt wird uns klar, warum dieser Lobgesang in den Ostergottesdienst gehört. Er ist wirklich eine Weissagung des Ostergeschehens. Am Karfreitag hat Gott Seinen Sohn getötet, und am heutigen Ostertag hat Er ihn wieder lebendig gemacht.

Das klingt zur Hälfte ziemlich hart. Nur die zweite Hälfte wäre uns angenehmer. Ist das nicht rechte Willkür, wenn einer Tod und Leben in seiner Hand hat und uns Menschen arm und reich macht? Solcher Willkür haben sich Menschen vor 100 Jahren ausgesetzt gefühlt. Lenin und Stalin hatten tausendfach Leben und Tod in ihren Händen und haben vermeintliche Gegner der bolschewistischen Revolution mit einem Federstrich umbringen lassen. Sie haben ganze Bevölkerungsschichten aus dem Wohlstand in bittere Armut gestürzt und dafür Arme durch Raub und Plünderung zu zweifelhaftem Reichtum kommen lassen. In fast allen Revolutionen oder nach politischen Umstürzen ist solche Willkür geschehen: 1933, 1938, 1945, 1948. Ist solche Verfügungsgewalt über Leben und Tod, über Armut und Reichtum wirklich ein Merkmal des Gottes, an den wir glauben?

Nein, Gott ist anders. Er spielt nicht mit unserem Leben. Aber wir wissen, dass auch der Tod zu unserem Leben hinzugehört, und auch Armut und Reichtum sind Gegebenheiten unseres Lebens, die wir nicht leugnen können. Die Aussage „Der Herr tötet und macht lebendig“ will nicht sagen, dass Gott ein Mörder ist. Sie gesteht nur ein, dass Leben und Tod die Wirklichkeit sind. Es ist wie bei der Formulierung im Vaterunser, die gerade in Frankreich und in der französischsprachigen Schweiz heftig diskutiert und verändert wird. Statt „führe uns nicht in Versuchung“ beten die Franzosen jetzt „lass uns nicht in Versuchung geraten“. Auch dort hat man sich an der Aussage gestoßen, dass Gott uns in Versuchung führen würde, also etwas Böses an uns täte – wie es hier so klingt, als würde Gott töten. Die Abmilderung besagt, dass Gott das Böse nicht aktiv vollzieht, sondern nur geschehen lässt. So könnten wir es hier verstehen, dass Gott uns nicht tötet, aber uns sterben lässt! „Der Herr tötet und macht lebendig“ sagt, dass Gott die Macht hat, dem Tod nicht das letzte Wort zu lassen. Auch wenn die Realität des Todes in der Bibel und in unserem Leben vorkommt, finden wir die Zeichen Gottes eindeutig auf Leben gesetzt: Er hat den Brudermörder Kain gerettet, er hat Noah die Sintflut überleben lassen und einer Wiederholung ein- für allemal abgesagt, er hat Israel aus der Macht des Pharao gerettet und Jona aus dem Bauch des Fisches. Er hat Lazarus aus dem Grab gerufen und seinen Sohn Jesus Christus.

 Wir könnten einwänden: Aber unsere Friedhöfe sind doch voll von geliebten Menschen, die Gott nicht aus dem Tod geholt hat… Ja, aber die Überwindung des Todes ist nicht die irdische Ewigkeit unseres Lebens. Klare Vernunft sagt uns, dass dafür die Erde nicht genug Platz hätte. Auferstehung ist ein die Grenzen der Erde und unseres Verstehens übersteigendes Geschehen! Die Kraft der Auferstehung bricht sich in unserem Leben an vielen Stellen zwar schon Bahn, wo wir neuen Lebensmut in ausweglosen Situationen gewinnen. Die Kraft der Auferstehung bricht sich in unserem Leben schon Bahn, wo wir nicht resigniert verzweifeln, als könne Gott nun nichts mehr tun. Immer dürfen wir hoffen, dass Gott das letzte Wort hat und zu Rettungen und Verwandlungen die Macht und Kraft hat, die wir noch nicht sehen und verstehen. Wir glauben gegen den Augenschein.

Das bedeutet: „Der Herr tötet und macht lebendig!“ Und „er macht arm und reich“ ist ähnlich zu verstehen. Er bestiehlt und enteignet uns nicht, sondern uns reich zu machen auch in der Armut, ist sein Wille. Wir können die Armut der Welt, so sehr sie eine Schande ist, nicht einfach beseitigen. Das haben die sozialistischen Revolutionen gezeigt, die mit diesem Ziel angetreten und gescheitert sind. Die ökonomischen und politischen Zusammenhänge in der Welt sind verwickelter, als Marx und Lenin gedacht haben. Die heutige Armut in vielen Teilen der Welt hat viel zu tun mit der Korruption und der Verweigerung der Geburtenkontrolle – nicht nur mit kapitalistischer Ausbeutung. Wir müssen Armutsursachen bekämpfen, aber auch zugleich damit leben, dass es keine gleichmacherische gerechte Welt gibt.

Ernste Themen, und heute ist doch ein Feiertag zum Fröhlichsein…

„Würden die Christen erlöster aussehen, dann würden auch mehr Menschen an die Erlösung glauben“, sagte einst der Philosoph Friedrich Nietzsche. Der Predigerseminarsleiter erklärt den angehenden Geistlichen: „Wenn ihr vom Himmel predigt, lasst euer Gesicht strahlen. Wenn ihr von der Hölle predigt, genügt euer normales Aussehen.“ 

Die Religionslehrerin fragt nach den Osterferien ihre Schüler: „Na, wer war denn zu Ostern in der Kirche – und wie hat es Euch gefallen?“ – Darauf Fritz: „Oh, stinklangweilig, der Pfarrer Haubold hat so lange gepredigt.“Theo:„Die altmodische Musik von Kantor Zimpel ist echt nicht so mein Ding.“ Dann meldet sich Julia begeistert zu Wort:„Ich fand es ganz toll. Die Leute haben ständig gesungen: Hallo Julia, Hallo Julia, Hallo Julia.“  

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Pfarrer Dr. Arndt Haubold
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