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Melanchthon-Predigt V über 1. Tim. 2, 12,
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Melanchthon-Predigt V über 1. Tim. 2, 12, "Ansprache an Philipp Melanchthon"

Predigt vom 05.09.10 (Pfarrer i. R. Hans Wähner) Ort: Martin-Luther-Kirche

Lieber Philipp Melanchthon,

viel ist in diesem Jahr schon über dich geredet worden. Du bist der Lehrer Deutschlands gewesen, hast Schulen gegründet, für Stundenpläne gesorgt, warst ein Sprachgenie und schon mit 21 Professor für Griechisch an der Universität in Wittenberg. Deines kleinen Wuchses und Deiner holperigen Sprache wegen haben die Studenten über dich gelacht. „Männlein“ haben sie dich geschimpft. Aber Martin Luther hatte von Anfang an deine weitreichenden Begabungen erkannt. Und du hattest erkannt, dass du von ihm viel lernen konntest, du studiertest Theologie, wenngleich du nie ordinierter Pfarrer wurdest. Du bist ja auch nie an die Theologische Fakultät gewechselt, wie es dein Freund Martin gern gesehen hätte. Du bist der philosophischen treu geblieben. Freilich, in jugendlichem Radikalismus machtest du dir anfänglich doch die philosophiefeindliche Theologie deines Freundes Martin zu Eigen. Was hast du an dieser philosophischen Fakultät nicht alles für Wissensgebiete beackert. Nicht nur griechische, lateinische, zeitweilig auch hebräische Sprache, auch Ethik, Geschichtswissenschaft, ja sogar Medizin, Astronomie und Physik. Und ein Wegbereiter und Förderer der Erneuerung der Kirche bist du geworden, obwohl du nie so radikal wie dein Freund Martin mit der herkömmlichen Kirche brechen wolltest, du hast das Verbindende betont. Du hast das erste systematische Lehrbuch der reformatorischen Theologie geschrieben. Es war wie eine Fügung Gottes, dass Martin als ein vom Reichstag von 1521 Geächteter auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 nicht erscheinen durfte. Da konnte er dir dein Konzept des evangelischen Bekenntnisses mit seinen zu erwartenden derben Einsprüchen nicht verderben.

Also, alles in allem, wir sind dir ebenso wie ihm sehr dankbar für das, was du für unsere Kirche, für die Bildung in unserem Vaterland und in Europa auf den Weg gebracht und getan hast.

Dein Denkmal auf dem Wittenberger Marktplatz ist derzeit wie das deines Freundes Martin abgebaut. Man will euch ein neues outfit verpassen. Um die entstandene Leere auf dem Markt bis zu eurer Rückkehr zu überbrücken, sind 800 bunte Luther-Zwerge aufgestallt worden – purpurrot, moosgrün, kobaltblau und schwarz, Luther-Nippes ohne Aussage, zumal Martin ja nun wirklich kein Zwerg war. Hätte man nicht eigentlich je die Hälfte Luther- und Melanchthon-Zwerge aufstellen müssen? Das ist oft so: Der Ruhm bleibt auf einem hängen, obwohl er mehreren gebührt.

Gräme dich nicht, denn es gibt erheblichen Widerstand gegen diese Kunst-Installation. Und weil die Luther-Zwerge aus Plaste verkauft werden sollen, nennt euer Freund Friedrich Schorlemmer das Ganze einen "Ablasshandel mit Plastefiguren". Recht hat er.

In der Abfolge der Predigten, die zu deinem Gedenken in dieser Kirche gehalten werden, ist heute ein Wort des Apostel Paulus vorgegeben, das ich bei aller Hochachtung für diesen Mann nicht gern zitiere, das aber wohl anregen soll, darüber nachzudenken, welche Probleme ihr, du und Martin, aber auch eure Zeitgenossen und auch alle Männer, die nach euch gelebt haben - bis auf den heutigen Tag - mit dem anderen Geschlecht haben, vor allem, wenn deren Vertreterinnen klug-gebildet, witzig-charmant, haushälterisch-begabt, schön und sexy sind.

In seinem 1. Brief an seinen Mitarbeiter Timotheus hat Paulus einst geschrieben: Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre. - Ich konnte nicht finden, dass du dich expressis verbis zu dieser Meinung des Paulus geäußert hast. Und auch dass Martin sich dazu geäußert hätte, ist mir nicht bekannt.

Aber dass ihr eure Schwierigkeiten mit Frauen allgemein hattet, das ist bekannt. Dass Martin eine aus dem Kloster Nimtschen entflohene Nonne geheiratet hat, war ja nicht Folge einer Liebe auf den ersten Blick. Na ja, direkt hübsch war Katharina von Bora ja auch nicht. Eigentlich hat Martin eine Frau geheiratet, die "sitzengeblieben" war, die keiner wollte, aus welchen Gründen auch immer. Dass aus dieser Verbindung dann doch eine offenbar tolle Ehe und Familie geworden ist, dafür kann man nur dankbar sein. Martin jedenfalls hätte ohne die strenge Haushaltsführung und die kluge Beschaffungskünstlerin Käthe alsbald wirtschaftlich in Insolvenz gehen müssen. Er hat ja ihre Führungsrolle auch anerkannt. Herr Käthe hat er sie genannt. Erinnerst du dich, lieber Philipp, wie du gewettert hast, als du erfahren hattest, dass Martin heiraten wollte. Die Erneuerung der Kirche brächte er damit in Gefahr. Alle Welt würde über ihn lachen. Wie hattest du gesagt? "In dieser unseligen Zeit, da Deutschland seine Kraft so nötig hat, schädigt er sein Ansehen durch diese unglückselige Tat." Irgendwie aber konnte eben dieser von dir so Gescholtene später bewirken, dass du eingesehen hast, dass es sich mit einer Frau und einer Familie an der Seite besser lebt als einsam und allein. Es hat zwar einige Zeit gedauert, bis du dich entschlossen hattest, aber dann wurde doch des Bürgermeisters Töchterchen Katharina Krapp deine Frau. Und ihr hattet vier Kinder, darunter eure besonders begabte Tochter Anna, deine Lieblingstochter.

Wie steht es aber denn nun mit der Meinung, dass eine Frau in der Gemeinde zu schweigen habe? Bist du auch der Meinung des Paulus und hättest eine Frau niemals lehren lassen - weder auf dem Katheder noch in der Kirche?

Manchmal hat man den Eindruck, ihr ward froh, euch auf dieses Wort des Paulus berufen zu können, denn es gab zu eurer Zeit und auch schon vor euch zahlreiche gebildete und gelehrte Frauen. Und man höre und staune, schon 400 Jahre vor eurer Zeit gab es an päpstlichen Universitäten weibliche Professoren. Wenn ihr nämlich Paulus angemessen gedeutet hättet und diese seine Regel aus dem 1. Brief an Timotheus eingeordnet hättet in Aussagen des Apostels in anderen Briefen, so hättet ihr erkennen müssen, dass es sich hier um eine zeitlich und örtlich begrenzte Anweisung handelt. Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre. Natürlich weiß ich, dass Paulus auch sonst nicht gerade vorteilhafte Äußerungen über Frauen in der Kirche gemacht hat, obwohl er genau wusste, dass es ohne Frauen überhaupt nicht gegangen wäre. Es war wie eh und je und eben auch heute.

Paulus schreibt das seinem Freund und Mitarbeiter Timotheus nach Ephesus. Timotheus soll dort bleiben und Ordnung schaffen. Ordnung schaffen! Das gefällt uns Deutschen. Gnostisches Gedankengut hatte sich in der Gemeinde verbreitet, das offenbar vor allem Frauen beeinflusste. Frauen waren Feuer und Flamme für antike Mysterien und fanden es schick, die Welt zweigeteilt in deren dunkle und deren helle Seite eingeteilt zu sehen. Sie sollten in der Gemeinde schweigen, damit solche Gedanken, die der göttlichen Schöpfungsordnung zuwider liefen, nicht unter die Gemeindeglieder kämen. So war das. Basta.

Dass Paulus dem Verbot Nachdruck verleiht mit Hinweis etwa darauf, dass der Mann zuerst erschaffen wurde und die Frauen schön still zu sein hätten und zuhören sollten und dass ihr Dasein dann sinnvoll werde, wenn sie Kinder zur Welt brächten und sie zu gottgefälligen Menschen erzögen, scheint mir heute eher peinlich und arbeitet denen in die Hände, die auch heute wieder Frauen an den Herd und in die Küche verweisen wollen und ihre vornehmliche Aufgabe im Kinderkriegen und Kindererziehen sehen. Und dass die Frau der Abglanz des Mannes ist, das habt ihr damals gern gehört wie es heute der eine oder andere auch gern hört.

Na ja, dafür bist du aber nicht verantwortlich.

Aber eines müssen wir doch ansprechen. Einige Historiker machen euch Reformatoren zum Vorwurf, die eigentliche „Unterdrückung“ der Frau in der Kirche sei erst durch euch geschehen. Durch die Ablehnung der Marienverehrung und der Stellung Marias in der Geschichte Gottes mit uns Menschen wurde eine rein männliche religiöse Symbolwelt geschaffen. Weil dein Freund Martin festgestellt hatte - und sicher nicht zu unrecht -, dass der Geschlechtstrieb nicht zu beherrschen sei, blieb der Frau nur Ehe und Mutterschaft. Die Alternative des Ordenslebens, das Frauen so viele Möglichkeiten eigenständigen wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Wirkens gegeben hatte, wurde von euch Reformatoren aufgegeben. Im Mittelalter konnten sich Frauen in Klöstern und Orden einer Beherrschung durch Männer entziehen, denn selbst Bischöfe konnten ihnen in ihre Geschäfte nicht reinreden. Denke doch einmal an so berühmte Frauen wie Gertrud von Helfta, Mechthild von Magdeburg, Hildegard von Bingen, Theresa von Avila und Katharina von Siena.

Natürlich habt ihr bei euren Bemühungen, die Kirche zu erneuern, ganz starke Frauen an eurer Seite gehabt: Margarete von Treskow im Havelland, Katharina Zell in Straßburg (ausgerechnet heute jährt sich ihr Todestag zum 448. Mal), Elisabeth Kreuziger, die zu eurem Freundeskreis gehörte, Wilibrandis Rosenblatt in Säckingen, die sage und schreibe in vier Ehen drei Reformatoren zu Ehemännern hatte, Johannes Oecolampad, Wolfgang Capito und Martin Bucer. Argula von Grumbach in Bayern, eine Schülerin eures Freundes Spalatin, die mit Martin im Briefwechsel stand. Hast du ihr auch einmal geschrieben? Margaretha Blarer in Konstanz. Magdalena von Staupitz, die ganz in deinem Sinne, lieber Philipp, die erste Mädchenschule Mitteldeutschlands in Grimma gegründet hat, schließlich Herzogin Elisabeth zu Braunschweig-Lüneburg. Und endlich eure eigenen Ehefrauen, die deine, Katharina Krapp, und Martins, Katharina von Bora.

Aber wie seid ihr mit ihnen umgegangen? Habt ihr ihre Lebensleistungen gewürdigt? Oder war es euch manchmal eher unangenehm, solch starke Frauen an eurer Seite zu haben, weil es nicht schicklich war, so "unverschämt gelehrte Weibsbilder" an der Seite zu haben, wie es Andreas Osiander, euer Freund in Nürnberg, einmal von Caritas Pirckheimer gesagt hat. Wie unverschämt gelehrt sie war, weißt du am besten, denn du hast mit ihr im Briefwechsel gestanden.

Für das Mitwirken dieser Frauen an euren reformatorischen Bemühungen ward ihr sehr dankbar. Aber je mehr die „neue Kirche“ im Reich und in den Städten Fuß fasste, die Hauptarbeit also getan war, desto mehr verblasste das Erscheinungsbild dieser Frauen, da ihnen der Zugang zu kirchlichen Ämtern verwehrt wurde und sie in ihrem Tun zurückgedrängt wurden.

Ihr, du und Martin, ihr ward in eurer Stellung zu den Frauen hin- und hergerissen. Einmal hat Martin gesagt "Weiberregiment hat nie etwas Gutes ausgericht". Und bei einem Tischgespräch, offenbar um anderen zu imponieren: "Es ist kein Rock noch Kleid, das einer Frau oder Jungfrau übler ansteht, als wenn sie klug ist."

Dann aber musste er die Leistungen der Frauen anerkennen: "Stellt euch vor, es gäbe das weibliche Geschlecht nicht. Das Haus und was zum Haushalt gehört, würde zusammenstürzen, die Staaten und die Gemeinden."

Doch selbst dieses Lob höchstreformatorischer Autorität brachte den Frauen offiziell keine Besserung ihrer Lage. Nicht nur das Predigt- und Pfarramt blieb ihnen auch durch euch, die Reformatoren, verwehrt, sie hatten auch keine Chance, im universitären Betrieb mitzumischen.

Du, lieber Philipp, hast am eigenen Leibe erfahren, wie furchtbar das für eine Frau sein konnte. Ich weiß, dass ich dir weh tue, wenn ich daran erinnere. Aber der Wahrheit wegen muss ich es tun. Du hattest eine Tochter, Anna, deine Lieblingstochter. Ich habe sie schon erwähnt. Ihr Leben ist ein Beispiel dafür, wie Frauen vom Ideal humanistischer Bildung und von einem Beruf ausgegrenzt wurden. Die Ehe sollte ihr einziger Beruf sein. Du hattest Anna in Lesen, Schreiben und klassischer Literatur unterrichtet, sie aber schon 14jährig an deinen Freund, den Altsprachler, Juristen und Dichter Georg Sabinus verheiratet, der schließlich Gründungsrektor der Universität Königsberg wurde. Er war aber zugleich ein notorischer Säufer und Ehebrecher, der Anna über zehn Jahre lang quälte. Sie starb nachdem sie sechs Kindern das Leben geschenkt hatte, "vom Kummer ausgelaugt", wie du selbst gesagt hast, schon 1546 mit 24 Jahren.

Sind dir angesichts des Schicksals deiner eigenen Tochter nicht manches Mal Gedanken gekommen, wie es denn gewesen wäre, wenn du sie hättest ihren Begabungen gemäß lieber studieren lassen können? Aber es ist müßig, darüber nachzusinnen, du warst eben in den Gegebenheiten deiner Zeit gefangen. Hier und da aber habt ihr ja, du und Martin, Grenzen überschritten. Darüber staunen wir teilweise heute noch. Ich frage mich, woher unsere Kirche eigentlich ihre festgefügte Meinung über Ehe und Sex hat? Auf Martin kann sie sich nicht berufen, wenn sie die Ehe als etwas Unauflösliches ausgibt. Um es deutlich zu sagen: Für Martin hatte Ehe und Kirche überhaupt nichts miteinander zu tun. In seiner Predigt "Vom ehelichen Leben" hat er gesagt: "Darum wisse, dass die Ehe ein äußerlich Ding ist, wie eine andere weltliche Hantierung. Wie ich nun mag mit einem Heiden, Juden, Türken, Ketzer essen, trinken, schlafen, gehen, reiten, kaufen, reden und handeln, also mag ich auch mit ihm ehelich werden und bleiben."

Du bist mit Martin sogar einmal noch einen Schritt weiter gegangen, freilich aus opportunistischen Gründen. Ihr ward auf die kräftige Unterstützung und das dauernde Wohlwollen des reformationsfreundlichen Landgrafen Philipp von Hessen angewiesen. Dieser Landgraf jedenfalls hatte neben seiner ihm angetrauten Frau eine 17jährige Geliebte, Margarete von der Sale, die nur unter der Bedingung, dass er sei heirate, mit ihm Sex haben wollte. Der Fall war heikel, sehr heikel sogar. Eine Scheidung des Landgrafen von seiner Ehefrau ohne durchschlagende Gründe hätte einen großen Skandal verursacht, zumal sie die Tochter Herzog Georgs von Sachsen war. Und eine Ehe mit zwei Frauen, also Bigamie, war unter den christlichen Fürsten der neueren Zeit ein unerhörtes Ereignis, das nicht minder einen Skandal ausgelöst hätte. Gleichwohl entschloss sich der verliebte Landgraf zum letzteren Schritt, also zur Bigamie, zur Doppelehe. Es galt nur festzustellen, dass dieser Schritt nicht im Widerspruch zur Bibel stand und eure, deine und Martins Zustimmung, fand. Der Landgraf verhandelte diesbezüglich zuerst mit Martin Bucer, der sich mit des Landgrafen Plänen einverstanden erklärte und zusagte, auch eure Zustimmung einzuholen. Bucer hatte eine verblüffende Begründung für seine Zustimmung zur Doppelehe: Mehrere Weiber zugleich zu besitzen (anders konnte auch er offensichtlich von Frauen nicht denken), sei nicht wider das Evangelium. Paulus, der doch viel vermeldet von denen, die das Reich Gottes nicht erben sollten, aber von denen, die zwei Weiber haben, tue er keine Meldung! Paulus sagt vielmehr, "dass ein Bischof nur ein Weib haben soll, desgleichen seine Diener. Wärs nun Not gewesen, dass jeder haben solle ein Weib, so hätt` ers also geboten und mehr Weiber verboten." - Ihr, du und Martin, ihr habt euch dieser Begründung angeschlossen und habt die Doppelehe gebilligt, nachdem auch des Landgrafen Ehefrau unter der Bedingung zugestimmt hatte, "dass er - (ihr Ehemann, der Landgraf) - die ehelichen Pflichten noch mehr als bisher gegen sie erfüllen werde." - O, o, Philipp. - Nein, ich meine nicht dich, lieber Philipp Melanchthon, ich meine den Landgrafen. - Dein Freund Martin hatte freilich schon früher Kopfschmerzen und Bauchweh bei der Zustimmung zu einer Doppelehe, nämlich als es um die des englischen Königs Heinrich VIII. ging. An den sächsischen Kanzler Brink hatte Martin im Januar 1524 geschrieben, du erinnerst dich vielleicht, dass er grundsätzlich nichts gegen Bigamie einzuwenden habe, denn sie widerstreite nicht der Hl. Schrift, er halte es aber für ärgerlich, wenn sie unter Christen vorkäme, die auch erlaubte Dinge unterlassen müssten.

Du, lieber Philipp, hattest viel weniger Bedenken der Bigamie gegenüber. Du hattest schon früher an Heinrich VIII. geschrieben, dass "jeder Fürst das Recht habe, in seinem Gebiet die Polygamie einzuführen."

Ich muss dir sagen, dass es für unsere Ohren sehr radikale und in unseren an Heuchelei und Prüderie so reichen Gemeinden sogar recht unsittliche Anschauungen sind, die ihr beide vertreten habt.

Aber immerhin, es ist gut zu wissen, dass wir in unserer kühnen Art, in der wir uns oft einmal auf euch und eure Meinungen berufen, ganz schön vorsichtig sein müssen.

Insofern ist es nicht verwunderlich, dass du, lieber Philipp, gemeinsam mit dem jüngeren Lucas Cranach Katharina Kellermann in Wittenberg vor dem Tod durch das Schwert bewahrt hast. Katharina Kellermann war des Ehebruchs überführt. Durch eure Fürsprache wurde sie begnadigt.

Und doch sind wir damit an einer neuralgischen Stelle. Es sind mir keine Fälle bekannt, dass ein Mann als Ehebrecher angeklagt gewesen wäre. Was einem Mann offenbar nachgesehen wurde, war bei einer Frau ein Verbrechen. Und eure Begründung, mit der ihr beiden Katharina Kellermann freibekommen habt, klingt gut. Aber ihr habt es euch einfach gemacht. Sie sei ein vom Teufel verführter Mensch, der zu bedauern ist.

Aus unserer heutigen Sicht, lieber Philipp, war euer Einspruch ein erster Schritt zu einem modernen Strafrecht, auch wenn noch gut 300 Jahre vergehen mussten, bis das Schuldprinzip bei Scheidungen verschwand.

Wir sind inzwischen ganz schön vom Thema abgekommen, wenngleich alles, was ich dir gesagt, woran ich dich erinnert und was ich dir und Martin vorgeworfen habe, schon mit der Frage zusammenhängt, wie ihr und eure Zeitgenossen euch dem weiblichen Geschlecht gegenüber verhalten habt, besonders in Kirche und Gemeinde.

Würdest du nach allem, was ich angeführt habe, weiter und in jedem Fall dabei bleiben, was Paulus einst an Timotheus geschrieben hat: Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre!? Ich glaube es nicht, denn du bist viel zu klug, weltgewandt, einfühlsam und gebildet, als dass du nicht über deinen Schatten springen könntest. Wir wissen von Paulus ja auch, dass Frauen in Versammlungen redeten und dass sie in der Kirche als Diakoninnen fungierten. Also ist klar, dass seine Meinung, einer Frau nicht zu gestatten, dass sie lehre, kein gründlich überlegte theologische Aussage ist, weil sie genaugenommen keinen Sinn ergibt. Natürlich war es auch eine patriarchalische Voreingenommenheit des Apostels, der diesen ziemlich antifeminístischen Ausbruch hervorgerufen hat. Wenn, dann wäre das sogar ein noch schwerwiegenderer Grund, diese gestörte und ungeschickte Interpretation des Schöpfungsberichtes, mit der Paulus seine Meinung zu untermauern sucht, nicht ernsthaft als Lehrmeinung zu erklären. Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre. Denn zuerst wurde Adam geschaffen, dann erst Eva. Und Adam ließ sich nicht betören, aber die Frau wurde verführt und sündigte. Jedoch wird die Frau durch ihre Mutterschaft gerettet werden, wenn sie im Glauben, in der Liebe und im Streben nach Heiligkeit verharrt. - Nein, was Paulus hier loslässt, ist nach unserem Empfinden eine Beleidigung der Frau, allein schon, wenn wir daran denken, dass es zahlreiche Frauen gibt, die von Mutterschaft gar nichts wissen, aus welchen Gründen auch immer.

Ich merke, lieber Philipp, ich behellige dich mit dir sicher noch nicht bekannten Vokabeln und Problemen.

Es bleibt dabei, wir sind dir und deinem Freund Martin dankbar für alles, was ihr für unsere deutsche Sprache und Bildung und für die Erneuerung unserer Kirche getan habt. Dass ihr gerade bezüglich eures Verhältnisses zum weiblichen Geschlecht hier und da eure Schwierigkeiten hattet, mag ganz sicher am Zeitgeist gelegen haben, aber auch daran, dass ihr nicht über euern Schatten springen konntet. Dass ohne das förderliche Reden und Handeln der zahlreichen Frauen an eurer Seite die Sache der Reformation nicht so vorangekommen wäre, wie sie vorangekommen ist, das wirst du sicher zugestehen. Und dass des Paulus Meinung, dass er einer Frau nicht gestatte zu lehren, eine Momentanäußerung war und keine Allgemeingültigkeit in Kirche und Gemeinde beanspruchen kann, darüber sind wir uns wohl auch einig.

Die Grundlage für die Gleichwertigkeit von Frau und Mann finden wir in der Schöpfungsordnung: Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbild als Mann und Frau. Als Geschöpfe Gottes haben beide denselben Wert und dieselbe Würde. Frau und Mann sind gleichwertig, aber nicht gleichartig. Das wäre ja auch langweilig, was du bestätigen wirst, lieber Philipp. Hier wird jeder Hintansetzung des weiblichen Geschlechts der Boden entzogen.
Worin wir uns wohl hoffentlich wieder einig wären.

Ich danke dir, lieber Philipp Melanchthon, dass du mir so lange zugehört hast, ohne mich zu unterbrechen.

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