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Kirchweih-Predigt über Ps. 84,2f ,
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Kirchweih-Predigt über Ps. 84,2f, "Wie lieb sind mir deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HErrn..."

Predigt vom 06.11.11 (Pfarrer Dr. Arndt Haubold) Ort: Martin-Luther-Kirche

Liebe Gemeinde!

Vor wenigen Tagen kam ein junges Paar aus einer Nachbargemeinde zu mir und bat um die Trauung in unserer Kirche, weil sie so schön wäre – schöner als ihre eigene. Auch eine ältere Dame aus unserer Gemeinde erzählte kürzlich, wie schön für sie unsere Kirche sei, sie habe sie genossen, als sie im Sommer an mehreren Sonntagnachmittagen Kirchenwache gehalten habe. Ähnliches Echo erhält man, wenn fremde Besucher sich zu Kirchenbesichtigungen angemeldet haben und dann in der Kirche stehen. Ja, wir haben ein schönes Gotteshaus, an dem wir uns freuen können – und erst recht, wenn die neue Orgel fertig sein wird! "Wie lieb sind mir deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HErrn..."

Es ist mir immer wieder unverständlich, dass wir Nachbarn haben, die nie in diese schöne Kirche hereinkommen, ja dass auch manche Gemeindeglieder sich viel zu selten diesen Genuss gönnen. Viele Menschen anderswo beneiden uns um so ein schönes Gotteshaus oder kämpfen darum, überhaupt eine Kirche zu haben. Umso dankbarer dürfen wir für unser Gotteshaus sein. Natürlich gibt es imposantere und prunkvollere Dome oder auch jede Menge Kirchen, die ähnlich schön sind. Aber für mich ist ein Gotteshaus ein Stück Heimat, wo ich getauft, konfirmiert, getraut worden bin, wo ich Abschied genommen habe von geliebten Menschen, wo ich wirken und predigen darf, wo ich eindrucksvolle Konzerte erlebt habe. "Wie lieb sind mir deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HErrn..."

Vor einer Woche war ich im Auftrag des Gustav-Adolf-Werkes in Bulgarien. Dort gibt es beeindruckende orthodoxe Kirchen, die ganz anders gestaltet sind als unsere Kirche. Die Gläubigen stehen während des Gottesdienstes, sie zünden Kerzen an als Ausdruck ihrer Fürbitten, sie bekreuzigen sich sehr intensiv, und sie lauschen – ohne mitzusingen - uralten Melodien, die die Priester in einer alten, für sie kaum mehr verständlichen Sprache singen. Der Gottesdienst hat eine hohe Feierlichkeit, niemand wagt es, in der Kirche laut zu sprechen oder gar herumzutollen, auch die Kinder sind ganz still und tragen Kerzen in ihren Händen. Die orthodoxen Kirchen sind viel stärker als unsere Kirchen dem alten salomonischen Tempel nachempfunden. "Wie lieb sind mir deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HErrn..."

Wie anders aber verhält es sich bei den evangelischen Gemeinden in Bulgarien! Es gibt deren tausende im Land – aber fast keine verfügt über eine Kirche. Sie versammeln sich zu ihren Gottesdiensten z. T. in angemieteten Sälen, z. T. in Gemeindehäusern, die sie meist aus alten Gebäuden umgebaut haben. In Veliko Tarnovo ist es ein ehemaliges Hotel, in Polski Trambesh die frühere Garage eines Krankenhauses, in Elena ein einstiges Militärgebäude, in dem heute Gottesdienste begangen werden. Eine Gemeinde in Mezdra hatte bisher eine alte Schule angemietet, die aber jetzt privatisiert und verkauft wird, so dass die Gemeinde auf der Straße stand und jetzt begonnen hat, eine Art Lagerhalle zu einem Gemeindehaus auszubauen. In Dolna Orjachovitza hat der Bürgermeister jahrelang zu verhindern gewusst, dass die evangelische Gemeinde eine Baugenehmigung für ihr geplantes Gemeindehaus erhält, und viele Anwohner verhielten sich feindlich, weil man in Evangelischen eine gefährliche Sekte befürchtete, bis es dem Pastor gelang, aller Herzen umzustimmen und von der Friedfertigkeit der evangelischen Christen zu überzeugen, so dass uns der benachbarte Tankstellenbesitzer vor zwei Wochen sogar zu einem Kaffee in sein Bistro einlud. In Sofia trifft sich die deutsche lutherische Gemeinde in der Wohnung des Pastors in einem Neubau im deutschen Diplomatentrakt. In diesen Häusern erinnert nichts an den salomonischen Tempel und an die Schönheit unserer Kirchen. Ein Holzofen mit einem langen Ofenrohr quer durchs Zimmer sorgt für Wärme, auf alten Gaststättenstühlen sitzen die Gottesdienstbesucher, statt der Orgel begleiten ein Schlagzeug und ein E-Piano die singende Gemeinde, der Altar ist höchstens ein kleiner wackliger Tisch, meist steht nur ein Vortragspult da. Keine Kunst, keine Pracht, nur nüchterne Zweckräume. Und doch sind die Gemeinden stolz auf diese Räume, in denen sie Gottesdienst halten, und sind froh, sie zu haben. Wenn sie nur Gottes Wort hören, ist ihnen zumute wie im schönsten Tempel. Denn die Wohnung Gottes ist da, wo sich eine Gemeinde um Gottes Wort zum Gebet versammelt.

Ähnlich sah es ja in fast allen osteuropäischen Ländern aus, als der Sozialismus seinen Geist aufgab. Da waren Kirchen polizeilich geschlossen, entweiht und umgebaut worden zu weltlichen Zwecken. Ich habe in St. Peterburg eine Kirche gesehen, die unter Stalins Herrschaft ein Schwimmbad geworden war, eine andere im lettischen Dikli war ein Sägewerk, die Kirche in Vistytis in Litauen eine Traktorenhalle, die Pauluskirche in Wladiwostok ein Armeemuseum, die Kirche in Sakiai in Litauen ein Kino, die Luisenkirche in Königsberg ein Puppentheater, die Annenkirche in St. Peterburg gar ein Bordell. Im übrigen sind diese Kirchenschicksale nicht auf Osteuropa beschränkt. In Frankreich ist im Zuge der französischen Revolution Ähnliches geschehen, man sieht heute noch die Spuren dieser Verwüstungen. Inzwischen haben viele Gemeinden ihre Gotteshäuser zurückerhalten, aber meist in heruntergewirtschaftetem Zustand. Sie müssen selbst dafür sorgen, sie wieder als Kirchen umzubauen. Und das haben sie auch getan, weil ihnen die Wohnungen des Herrn am Herzen liegen. Die dabei geholfen haben, sind oft ältere oder in die Ferne ausgezogene Gemeindeglieder, die mit ihrem Herzen an der alten Heimat hängen. "Wie lieb sind mir deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HErrn...

"Wie lieb ist uns unsere Wohnung des Herrn? Man kann die Liebe einer Gemeinde zu ihrem Gotteshaus an einigen Kennzeichen wahrnehmen. Wenn eine Kirche sauber und gepflegt ist und nicht voller Spinnweben und Liedzetteln vom letzten Silvesterkonzert, spürt man die Liebe der Gemeinde. Wenn eine Kirche in gutem baulichen Zustand ist, wenn aktuelle Aushänge oder Bilder zu sehen sind, wenn die Opfer und Kollekten großzügig fließen, wenn man guten Geschmack bei der Einrichtung spürt, wenn die Turmuhr richtig geht und die Glocken richtig läuten, wenn die Orgel nicht krächzt und wimmert, sondern technisch so gut ist wie die Autos der Gemeindeglieder, wenn einer nach seinem Tod etwas stiftet für seine Kirche, wenn ein Künstler etwas schafft für sein Gotteshaus - dann spürt man die Liebe einer Gemeinde zu ihrem Tempel des Herrn. Vor allem aber, wenn sie von der Gemeinde gut besucht wird und sich Jung und Alt in ihr begegnen und nicht entzweien und wenn alle sich in der Kirche so verhalten, wie es der Würde eines Gotteshauses entspricht – dann erkennt man, wie lieb einer Gemeinde ihre Kirche ist. „Wie lieb sind mir deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HErrn…"

Fürdank/Fürbitten Kirchweih 2011

Himmlischer Vater,

Wir danken Dir, dass Du an diesem Platz vor 294 Jahren den Neubau unseres Gotteshauses hast gelingen lassen,

wir danken Dir für die Großmut des Stifters Wolfgang Jöcher, für die gute Planung des Baumeisters David Schatz und für die gute Arbeit aller Künstler und Handwerker, die am Bau und an der Ausstattung unserer Kirche mitgewirkt haben,

wir danken Dir für alle Opfer der Gläubigen, die immer wieder zur Erneuerung beitrugen,

wir danken Dir, dass Du diese Kirche in Kriegen bewahrt hast vor schwerer Zerstörung,

wir danken Dir für die Schönheit und Vielzahl der Kirchen in unserem Land, an denen wir uns freuen können.

Wir bitten Dich, segne dieses Haus und alle, die hier eintreten, bewahre es als Heimat des Glaubens für unsere Kinder und Enkel und Nachfahren,

bewahre es vor Zerstörung und Zweckentfremdung, lass allezeit hier Dein Wort verkündigt und Deine Sakramente gefeiert werden,

lass die Gebete zu Dir und unsere Stimmen und Instrumente zu Deinem Lob hier nie verstummen,

segne die Kinder, die hier getauft werden,

führe die Konfirmanden, die hier eingesegnet werden,

heilige die Ehen, die hier geschlossen werden,

lass Junge und Alte, Arbeiter und Professoren hier einander verstehen und als Glaubensgeschwister annehmen,

heile die Kranken und tröste die Trauernden, die hier zu Dir beten,

gib uns allen Opferbereitschaft und Mitverantwortung

für Dein Haus

der Du mit dem Sohne und dem Heiligen Geist eins bist und bleibst in Ewigkeit!

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Pfarrer Dr. Arndt Haubold
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