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Predigt zur Christvesper über
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Predigt zur Christvesper über "Da liegt es, das Kindlein, auf Heu und auf Stroh..."

Predigt vom 24.12.11 (Pfarrer Dr. Arndt Haubold) Ort: Kirche Großstädteln

Liebe Kinder, liebe Erwachsene!

Heu und Stroh spielen in der heiligen Nacht eine große Rolle! In vielen Weihnachtsliedern wird es besungen - wie wir es miteinander gerade gesungen haben in "Ihr Kinderlein, kommet": "Da liegt es, das Kindlein, auf Heu und auf Stroh..." Das Christkind hat in einer Futterkrippe auf Heu und Stroh gelegen statt in einem Stubenwagen auf Linnen und Daunen. So stellen wir es uns jedenfalls seit Jahrhunderten vor - obwohl in der biblischen Weihnachtsgeschichte Heu und Stroh gar nicht erwähnt werden. Da ist nur von der Krippe und von Windeln die Rede. Doch wie soll es anders gewesen sein? Maria wird doch das Kindchen nicht einfach so in den harten Holzkasten gelegt haben! "Das arme Kindchen!", denken wir. Was hat sich Gott nur dabei gedacht?! Aber auf Heu und Stroh liegt es sich gar nicht so schlecht. Viele Jahrhunderte lang haben unsere Vorfahren auf Strohbetten gelegen, ehe die Matratzen erfunden wurden. Und als ich Kind war, wurde in den Sommerferien in der Schule noch ein Strohlager aufgeschüttet, auf dem wir beim Ferienprogramm Mittagsruhe hielten - und das war richtig gemütlich. In Bulgarien ist es noch heute Sitte, dass man am Heiligen Abend Heu oder Stroh in der Stube auf dem Fußboden auslegt und dann eine Decke oder eine Teppich darüber deckt, damit die Familie den Weihnachtsabend wie im Stall von Bethlehem verbringt. Und auch auf unseren Dörfern war es früher üblich, dass am Heiligen Abend eine Handvoll Heu auf dem Tisch liegen musste. Heute schmücken wir den Weihnachtsbaum mit Strohsternen - das ist auch eine kleine Anlehnung an den Stall von Bethlehem und das Stroh, auf dem Jesus gelegen hat. Wir müssen das Christkind also gar nicht bedauern wegen seines Lagers auf Heu und Stroh. Das war jahrtausendelang die Lebensweise der einfachen Menschen. Natürlich - wenn wir in Jesus schon den König sehen möchten, den wir in ihm verehren, dann dürfte er nicht auf einem solchen bescheidenen Lager liegen. Dann müsste er, wie es Paul Gerhardt in seinem herrlichen Krippenlied beschreibt, in einer güldenen Wiege liegen auf Samt, Seide und Purpur, und wir müssten diese Wiege mit Blumen schmücken, mit lieblichen Violen, Rosen, Nelken und Rosmarin! Doch das ist ein Traum aus Liebe. In Wahrheit lebte Jesus nicht wie ein König und nicht in einem Palast, sondern als Kind einfacher Leute, und da war das Stroh sein Bett - sein ganzes Leben lang.

Deshalb sollen wir die einfachen Dinge nicht verachten. Wenn es Jesus genug war, auf Heu und Stroh zu liegen, dann dürfen auch wir bescheiden sein in unseren Lebensansprüchen, sollen uns an einfachen Dingen freuen und auch für kleine Geschenke dankbar sein. Es ist nicht notwendig, dass wir heute alle wie einst nur die Könige leben wollen, in Saus und Braus und teurer Kleidung, und den verächtlich ansehen, der sich nicht alles vom Feinsten leisten kann. Wenn unserem Jesus Heu und Stroh genug waren, dann brauchen auch wir nicht großkotzig zu sein. Der wahre König zeigt sich nicht im äußerlichen Protz, sondern in der Größe des Herzens und der Tat. Daran lasst uns an diesem Abend denken, wenn wir die Strohsterne betrachten und damit an den Stall von Bethlehem erinnert werden - an das Heu und Stroh in der Krippe!

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Pfarrer Dr. Arndt Haubold
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